Alu-Artists in AktionTrimet öffnet seine Ausbildungswerkstatt für mint:dual
Vindhya ist ein schöner Name für einen Alu-Stiftehalter: Nicht zu kurz, nicht zu lang und kein Buchstabe doppelt. Aber um die Beschriftung mittig zu setzen, muss Vindhya genau messen – und rechnen: „Das Blech hat 10 cm, mein Name 6,6 cm, das heißt, ich habe 3,4 cm übrig“, so die Zehntklässlerin. Normalerweise besucht sie das Gymnasium Süderelbe in Neugraben, an diesem Morgen hat sie den Bus bis zur Haltestelle „Aluminiumwerk“ genommen, für eine Trimet-Exkursion, die passend zum Programm mint:dual direkt in die Ausbildungswerkstatt führt. „Jeder technische Auszubildende startet hier und ihr dürft auch ausprobieren, mit den Händen zu arbeiten“, begrüßt Ausbildungsleiter Patrick Widowski die Mädchen. Sie markieren zunächst am „Höhenanreißer“ die Linie, an der sie das Blech an der zweiten Station, der „Handabkantbank“, biegen wollen. Ein Name der Programm ist: Die Schülerinnen biegen das Blech von Hand und erzeugen damit eine Kante.
Schlag den Buchstaben
Die Metallverarbeitung ist eine Welt für sich mit neuen Dimensionen und Begriffen. Im Abstand von 1,7 cm zum Rand setzt Vindhya ihren ersten Buchstaben, hämmert ihn ins Blech und will sich gerade vom „V“ zum „I“ durchschlagen, als Azubi Leon einschreitet: „Wenn du gehämmert hast, legst du den Stempel nicht weg, sondern nimmst den nächsten.“ Zu spät, aber beim „N“ hat Vindhya den Vorteil der Methode voll erfasst und muss nicht mehr ertasten, wo der nächste Buchstabe hingehört. Leon ist angehender Industriemechaniker im ersten Lehrjahr. „Büro ist nichts für mich“, sagt er. Das hat der Wirtschaftsabiturient in seinem Pflichtpraktikum festgestellt. Auf der Suche nach einer technischen Ausbildung ist Leon auf Trimet gestoßen: „Aluminium nutzen wir täglich und es ist mein Weg, bei der Herstellung.“ An seinem ersten Ausbildungsjahr jedenfalls gebe es nichts zu mäkeln: „Hier sind alle cool drauf, es gibt Zusammenhalt.“
Bleibe cool und finde die Lösung
Cool bleiben ist die richtige Devise, wenn es darum geht, Kräne und Öfen zu reparieren, die mit extremen Belastungen, großen Dimensionen und einer Prozesstemperatur von 960 Grad Celsius arbeiten sollen. Da wo die Mädchen ausgestiegen sind, überquert ein langes Förderband die Finkenwerder Straße. Es gehört zu Trimet und transportiert das Aluminiumoxid, ein weißes Pulver, vom Hafen in die Hallen mit den Schmelzöfen. Als einmal eine der Führungsschienen für die Motoren zerbrochen ist, sind die Techniker gefragt, erzählt Azubi Peter: „Es gab kein Ersatzteil, die Firma, die das gebaut hatte, existierte schon lange nicht mehr und das Band musste schnell wieder zum Laufen gebracht werden, das war existenziell. Um den Weg von der Notlage zur Lösung zu demonstrieren, nimmt der 29-Jährige eine Stahlschiene in die Hand, zeigt auf die Fräse im Nebenraum und erzählt, wie aus einem Schlitz in der Schiene ein Ausgleichsstück zwischen Betonfundament und Position des Motors wurde.
Studiere die Bibel der Industrie
Kein Provisorium, sondern eine patentreife Lösung, betont Peter: „Das läuft immer noch und wird vielleicht als Standardersatzteil übernommen.“ Genau für solche Erfolgsmomente legt er in den nächsten Tagen die Prüfung zum Industriemechaniker und nicht das Jura-Examen ab: Rechtswissenschaft hat er schnell gegen Wirtschaftsingenieurwesen eingetauscht, fand aber die Theorie oft zu weit hergeholt, spätestens als ihm ein befreundeter Industriemechaniker das „Tabellenbuch Metall“ auslieh. Es wird auch Bibel der Industrie genannt, weil es alle möglichen Normen enthält: „Warum finde ich hier auf wenigen Seiten schnell verständlich komprimiert, wozu es im Studium eine ganze Jahresvorlesung braucht“, fragte sich Peter und fand seine Berufung bei Trimet. „Ich bin auch Künstler“, sagt er. Alu-Art inspiriert auch die Schülerinnen. Vindhya hat auf ihrem Stiftehalter noch das Datum der Exkursion verewigt und einen weiteren Namen: Trimet.
TRIMET ist ein familiengeführter Aluminiumproduzent mit mehreren Standorten in Deutschland und Frankreich. Am Hamburger Werk stellt TRIMET den Rohstoff Aluminium her und bildet jedes Jahr technischen Nachwuchs aus. 2022 konnten wir einen Besuch in der Produktion redaktionell begleiten, hier geht's zum Bericht Richtig knackig heiß.