Bananen im Backlog
19.06.2026

Bananen im Backlogmint:pink erprobt die agile Projektarbeit im DigiLab des LSBG

Ein Arbeitstisch voller Leckereien, ein Briefumschlag voller Rezepte, ein Team voller Tatendrang: „Wollen wir je eine Session für eines dieser Gerichte nutzen oder uns aufteilen?“, fragt Nele. Maias Blick wandert von Gurken, Tomaten und Bananen auf dem rückengerechten Hochtisch zu Zetteln, die Emma gerade noch sortiert: Vorspeise, Hauptspeise, Nachtisch – und dann ist da noch das gemischte Hack, ein Potpourri vermischter Fragen: „Es sind vier Arbeitsaufträge, aber nur drei Sprints“, gibt Maia zu bedenken. „Die Fragen sind für Zwischendurch“, erklärt Linnea – und schon sind sich die vier Mädchen einig: Im Team pro Session einen Gang fertigstellen, und dies so effektiv wie möglich. „Wir fangen mit der Vorspeise an“, ruft Nele, ergreift Stecknadeln samt Blättchen und bleibt dann fragend vor der Pinnwand stehen: „Was genau ist der Unterschied zwischen Backlog und To-Do?“

Smarter workflow, better results

Willkommen mint:pink im DigiLab des LBSG, so der Titel einer Powerpoint-Folie, die 14 Schülerinnen aus dem Luisen-Gymnasium durch ihre dritte Exkursion begleitet. Die Neuntklässlerinnen staunen über modern eingerichtete Projekträume, die sich „Meetingraum Dockland“ oder „Stadtparksee“ nennen und mit Tischkicker, Ohrensessel und Sprossenwand kaum Wünsche offenlassen. So stylisch haben sie sich den Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer, kurz LBSG, nicht vorgestellt. Sie lernen, dass die Instandhaltung der Infrastruktur Hamburgs, von Hauptverkehrsstraßen bis zum Gewässerschutz, ein riesiger Verantwortungsbereich für immer weniger Personal ist – und technische Unterstützung dringend benötigt wird. Für intelligente Projekt- und Softwareentwicklung steht der Fachbereich XR DigiLab zur Digitalisierung mit eigenem „Labor“.

On the road again

„Wir optimieren, digitalisieren und schaffen Synergien in den Bereichen Bauen und Mobilität“, sagt IT-Projektleiterin Doreen Schillbach. Ein Beispiel ist die Software „ROADS“, das Kürzel steht für „Roadwork Administration and Decision System“ und unterstützt bei der Koordination von Tiefbaumaßnahmen. „Vorher hat man noch mit Excel-Listen gearbeitet und sich getroffen“, erzählt Doreen und ruft an einem großen Touchscreen eine Hamburg-Karte auf, gespickt mit unzähligen Markierungen. „Ist da wirklich alles verzeichnet?“, fragt Nele und sucht nach dem Luisen-Gymnasium. Das sei nämlich auch eine Baustelle. Aber Hochbau ist nicht dabei, dafür eine geplante Straßensperrung in der Nähe – für ein Stadtteilfest. Die Mädchen suchen und finden ihre Wohnhäuser, aktuelle und zukünftige Maßnahmen von der Gehwegerneuerung bis zum Zubringeraufzug und können nachvollziehen, dass die Software preisgekrönt ist. „ROADS ist auch schon in anderen Bundesländern unterwegs“, sagt Doreen.

Sprint to sprint cooking and learning

Vorname genügt, das ist logisch, wenn man sich als Team selbst organisieren und eigenverantwortlich zusammenarbeiten soll. Genau, darum geht es beim „agilen cooking“, das die Neuntklässlerinnen zum Abschluss der Exkursion selbst erproben: Warum die schlichte Anweisung, „koch mal was Leckeres“ nicht reicht, leuchtet ihnen ein. So sind sie dankbar für „User Stories“ und „Epics“, auch wenn nicht jedes Werkzeug im ersten Anlauf Wirkung entfaltet. Etwa der „Backlog“, der alle Aufgaben im Bestand erst einmal sammelt und bei der sinnvollen Sortierung hilft: den Obstsalat vorziehen, damit er noch ziehen kann und die Vorspeise zum Schluss, damit dass Ciabatta noch lange warm bleibt. Umso höher die Lernkurve und Begeisterung der Mädchen: „Ich finde das eine total gute Idee, das Verfahren in der Praxis anzuwenden – wir sind im zweiten Sprint schon effizienter geworden“, sagt Maia. Knurrende Bäuche bei den Schülerinnen: Wie gut, dass die Schnittchen zwar agil, aber nicht digital daherkommen.

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