Pastillen für die Formel1
10.06.2026

Pastillen für die Formel1mint:pink folgt einer Produktion bei Schill+Seilacher

An der Abwurfstelle, wo das Laufband steil nach unten kippt, hebt sich die Stimmung. Vergessen die Hitze aus den sieben Reaktoren ein Stockwerk tiefer, verdrängt die industrielle Geräuschkulisse, von nun an gilt die Aufmerksamkeit der Mädchen ganz den gelblichen Pastillen, die gerade vom Laufband regnen und die sie anfassen und begutachten dürfen: Das Produkt, das im Chemiewerk der Schill+Seilacher "Struktol" GmbH offiziell den Namen „EF44“ trägt, ist auf der Unterseite glänzend und glatt, oben gebogen. „Wie ein gefallener Regentropfen“, erklärt Gerhard Najjar. Der Abteilungsleiter „F2G“ führt an diesem Vormittag Neuntklässlerinnen vom Gymnasium Grootmoor durch die „Fabrik Zwei für Gummizusatzstoffe“, kurz „F2G“. „Weiß jemand, woran das liegt“, fragt Gerhard Najjar in die Runde. Liv meldet sich: „Das hat mit der Oberflächenspannung zu tun.“ 

Was macht aus Kautschuk unterschiedliche Gummisorten? 

Erfahren, wo naturwissenschaftliche Erkenntnisse in der Praxis angewendet werden, darum geht es bei dem Mädchen Mutmach-Programm mint:pink und die Exkursion nach Billbrook öffnet neue Welten. Von der Koordination und Rezepturdatenbank in der Leitwarte bis zur Beutelverpackungsmaschine verfolgen die Mädchen den Produktionsprozess. Wie die hochgepumpte Flüssigkeit über Düsen verteilt und auf dem heruntergekühlten Laufband sekundenschnell zu Flakes erstarrt, ist beeindruckend. „Das ist das erste Mal, dass ich so etwas sehe, das ist cool“, sagt Liv. Doch um was für ein Produkt handelt es sich genau? „Das ist ein Mastizierhilfsmittel, man benötigt es, um Gummimischungen für einen Rennreifen oder einen Flummi herzustellen“, sagt Gerhard Najjar. Ähnlich wie ein Klumpen gekochter und nicht abgeschreckter Nudeln bestehe Rohkautschuk aus verklebten, langen Polymerketten, die Pastillen zerreißen diese, machen die Harze geschmeidig und sind gut dosierbar.

Wie nachhaltig ist das?

Logisch, dass die smarten Flakes dafür nicht mehr selbst kleben dürfen. Wenn doch, fallen sie am Bandende durch ein kleines Rohr, landen somit nicht bei Kunden, sondern im Recycling, ein Stockwerk tiefer: Nachhaltigkeit ist dem Traditionsunternehmen wichtig, macht Betriebsleiterin Angelika Preetz deutlich. Für die promovierte Chemikerin bedeutet das vor allem, nachhaltig zu wirtschaften: „Wir müssen langfristig denken.“ Hundert Jahre hat das Chemiewerk am Standort Hamburg schon hinter sich, um die nächsten fünf Jahrzehnte zu sichern, müssten Anlagen aus den 90iger Jahren wie „F2G“ modernisiert, die Reaktoren zukünftig nachhaltiger beheizt werden. „Die Stadt Hamburg entwickelt Leitungen dafür, aber das wird noch ein paar Jahre dauern – zumindest bis diese auch unseren Standort erreichen.“

Was hat am besten gefallen?

So wie die Suche nach besseren und zugleich ressourcenschonenderen Additiven das FuE-Labor (Forschung und Entwicklung) auf Trab hält. Ausbilder Mirko Baatz lässt die Mädchen unterschiedliche Entschäumer testen, aber so sehr Riema sich auch abmüht, der Schaum bleibt auf der Zuckerlösung stehen. „Dieser Entschäumer wirkt nicht bei Raumtemperatur“, erklärt Mirko Baatz. Ob Riema zukünftig an einem Entschäumer mitforschen will, der sowohl bei Kälte, Raumtemperatur als auch Hitze funktioniert, die 15-Jährige weiß es noch nicht. „Das war bisher nicht auf meinem Schirm.“ Wie vielfältig aber die Produktion sei, wie viele Additive es für einen schnellen Reifen brauche, das habe sie komplett unterschätzt. Als Geschäftsführer Volker Börger wissen will, was am besten gefallen hat, sind sich die Mädchen einig: „Die Fabrik war am krassesten.“

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