Vernetzt, grün, sauber
29.01.2026

Vernetzt, grün, sauberOberstufenprofile streamen den Hafen von morgen 

Die Mini Tortuga hat ganze Arbeit geleistet, hat Flussbarsch und Stichlinge als „animal“ erkannt und den Autositz als „trash“ eingescannt. Keine Frage, diese Schildkröte ist nicht nur schlau, sie ist auch schnell und international unterwegs, wie schon die Klassifizierung „Remotely Operated Vehicle“, kurz ROV deutlich macht. „Also eine Unterwasserdrohne, die KI unterstützt Müll detektiert“, sagt Matteo Schmid. Der BWLer ist in der Forschung und Entwicklung der Hamburg Port Authority (HPA) tätig – genau wie Politologin Claudia Hertel. Zusammen arbeiten sie für das EU-Forschungsprojekt „SeaClear2.0“ an smarten Robotern, die Gewässer von Müll befreien. Von der TU Delft in den Niederlanden bis nach Zypern reicht die Kooperation, wurde im Hamburger Hafen schon getestet und erreicht nun über die Match Days interessierte Oberstufenprofile.

Disruptive Technologie im Hamburger Hafen 

Die Match Days bringen aktuelle Forschung und Berufschancen remote und interaktiv ins Klassenzimmer. An diesem Vormittag geht es um den Hafen von morgen, und der hat viel mehr mit riesigen Containerschiffen als mit Möve und Fischbrötchen zu tun. So das Ergebnis einer Umfrage unter den Jugendlichen – und gleich der erste Referent gibt ihnen recht: „Schiffe werden immer größer, bis zu 400 Meter lang, 60 Meter breit und fordern unsere Infrastruktur heraus“, sagt Marius Eschen vom Innovationsteam der HPA. Der Wirtschaftsinformatiker spricht aber auch von disruptiven Technologien in der Hafenwirtschaft, von KI, 3D-Druck und Granulat für die additive Fertigung, das auf individuellen Routen importiert wird. 

Digitale Zwillinge über Wasser

Braucht man also zukünftig noch so große und damit teure Kaimauern, Kräne und eine 20 Meter höhere Köhlbrandbrücke? Das ist der Blick in die Zukunft, den die HPA im wahrsten Sinne des Wortes unternimmt: Marius Eschen erzählt von Robotern, die den Zustand von Brücken überwachen oder in asbestverseuchten Umgebungen zum Einsatz kommen, von digitalen Zwillingen und transparenten AR-Displays auf der Brücke der HPA-Arbeitsschiffe. Dass sich auch die physische Hafenwelt immer stärker mit der digitalen vernetzt, interessiert die Jugendlichen. Doch inwiefern dient der Smart Port dem Umweltschutz, wollen sie wissen. „Wir sind ja Teil der Stadt und Umwelt ist da zunehmend ein Thema“, so der Informatiker. Das Landstromangebot für Kreuzfahrer oder Windkraftanlagen im Hamburger Hafen zahlen auf die Nachhaltigkeit ein – und sind die perfekte Überleitung zum „SeaClear2.0“-Projekt. 

Autonome Müllabfuhr unter Wasser

Am Whiteboard verfolgen die Jugendlichen, wie der illegal entsorgte Autositz am Teststandort Marseille erkannt, kartiert und schließlich autonom geborgen wird: Eine vierfingrige Riesenhand ergreift den Sitz und lädt ihn auf ein Beiboot, das ihn abtransportiert – ganz ohne Menschen an Bord. Faszinierend, aber wie sich der Roboter ohne GPS im trüben Wasser orientiert, das möchten die Jugendlichen genauer verstehen. Matteo Schmid schildert, wie die Positionsbestimmung vor dem Tauchgang und die Verbindung mit dem GPS am Mutterschiff bei der Feinjustierung hilft und lobt die Schülerfragen. „Das sind genau die Herausforderungen, an denen wir arbeiten.“ Es ist eben kein System von der Stange, macht Claudia Hertel deutlich. Es bringt Spitzentechnologie zusammen und braucht kluge Köpfe, die Fragen stellen, die nicht von gestern sind. Wie bei diesem Match Day.

Die Match Days werden von der Ingeborg-Gross-Stiftung, der Katharina und Gerhard Hoffmann Stiftung gefördert, der Match Day Clean Technologies von der Hamburger Behörde für Wirtschaft, Arbeit und Innovation.

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