Mit Pauken und Trompeten für mehr MINT in Hamburg
13.09.2017

Mit Pauken und Trompeten für mehr MINT in Hamburg

Die Bühne im Zentrum des Saals, sie ist wie geschaffen für Heike Dölker. „Das ist reine Physik, was wir hier sehen“, sagt die Architektin und breitet ihre Hände in Richtung der wabenförmigen, weißen Wände bis zur Decke aus, so als wollte sie den großen Saal der Elbphilharmonie umarmen. „Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel, der Schall soll durch unterschiedlich große und tiefe Waben gestreut werden.“ Wie die Akustiker das bis ins letzte Detail berechneten – mit Hilfe von Informatik und einem Modell „im Maßstab 1:10“, wie Dölker mehrfach betont – wie sich dabei Physik und Design verbunden haben und wie viel Technik selbst in der Sprenkleranlage steckt, all das macht die Hochtief Projektmanagerin deutlich. Vor allem aber bringt sie Begeisterung für ihr Fach rüber. „Sie haben mich 1:1 überzeugt“, so Physiker Vince Ebert, der den Abend humorvoll moderiert. 

Voll verlässlich

Aber Heike Dölker ist noch nicht fertig. Das sei das Tolle an den Naturwissenschaften, man könne sich auf sie verlassen: „Was im Maßstab 1:10 funktioniert, funktioniert auch im Großen, das finde ich perfekt.“ Weiter kommt die Architektin an dieser Stelle nicht, die Zuhörer zollen ihr spontan Beifall. Es sind weit über tausend Oberstufenschüler aus NAT-Profilen. Dazu ihre Lehrer sowie Wissenschaftler, Ingenieure, Unternehmer. Diese haben in den letzten zehn Jahren durch ihre Unterstützung und Begleitung in Kooperationen und Labortagen aus einer kleinen Initiative eine große Sache gemacht, die der Senat der Stadt mit einem eigenen Empfang würdigt: „Wir wollen bei jungen Menschen Interesse und Begeisterung für Naturwissenschaft und Technik wecken. Deshalb ist Arbeit der Initiative NAT für uns so wichtig“, lobt Wirtschaftssenator Frank Horch das Geburtstagskind.

Voll krass

Wenig später lockt eine „Meute“ junger Musiker die Gäste vom Senatsempfang mit Pauken und Trompeten zur Jubiläumsfeier in die Elbphilharmonie, wo ein 14-Jähriger Violinist zusammen mit dem Jungen Orchester Hamburg das musikalische Programm klang- und stimmungsvoll fortsetzt. Und so kann das NAT-Jubiläum gleich mit mehreren Vorurteilen aufräumen. Eines lautet: Naturwissenschaftler und Techniker seien spröde und langweilig. Wie „krass“ sie dagegen feiern können, wird spätestens deutlich als Rapper Samy Deluxe die Gäste von den Sitzen holt und zum Mitwippen und Mitmachen bringt. Andere Vorurteile deckt Lothar Dittmer, Vorstandsvorsitzender der Körber-Stiftung, auf: Laut, dreckig, gesundheitsschädlich, kontaktarm, das denken viele Jugendliche über MINT-Berufe. Wer sich dennoch dafür entscheidend, bewertet seine Berufsentscheidung auch noch Jahre später positiv – zu weit über 90 Prozent. 


Voll des Lobes

„Die Macher und Problemlöser dieser Republik sitzen nicht in Talkshows, sondern in Planungsbüros der Forschungsunternehmen, lasst es euch nicht nehmen, dabei zu sein“, wendet sich Dittmer direkt an die Oberstufenschüler. Die freuen sich an diesem Abend über so viel Aufmerksamkeit, Dank und Unterhaltung. „Es war für jeden etwas dabei, Komik, Power, Wissenschaft“, lobt ein Schüler. Wie hatte Sabine Fernau noch im Gespräch mit Frank Horch im Körber-Forum gesagt: „Dass wir wirklich heute MINT in der Elbphilharmonie feiern können, das ist das schönste Geschenk.“ Die NAT Geschäftsführerin hat damit nicht nur sich selbst beglückt, sondern 2000 Gäste gleich mit. 

Leseempfehlung