Verantwortung übernehmen
25.02.2026

Verantwortung übernehmenAustausch zwischen Schule und Militärischer Forschung

Drohnen können Feuer löschen oder Müll aus Gewässern fischen. In die falschen Hände geraten, legen sie Flughäfen lahm oder zerstören gar die Energieversorgung eines Landes. Das Gegenmittel heißt Drohnenabwehr und ist ein Forschungsfeld der Helmut-Schmidt-Universität. Die Universität der Bundeswehr (HSU/UniBw Hamburg) ist zugleich Trägerin der Bildungsinitiative NAT, die zum ersten Mal Lehrkräfte an die Hochschule eingeladen hat. „Wir möchten zur inhaltlichen Auseinandersetzung und Versachlichung beitragen, Studiengänge und mögliche Tätigkeitsfelder auch in der Wehr-Industrie vorstellen – und mit Ihnen darüber in den Austausch gehen“, wendet sich NAT-Geschäftsführerin Sabine Fernau an die Lehrkräfte.

NAT und HSU: eine tragende Verbindung

Optionen sichtbar machen und Jugendliche befähigen, Entscheidungen für oder gegen ein MINT-Studium nach persönlichen Abwägungen und Gewissensfragen zu treffen, dafür steht NAT seit fast zwei Jahrzehnten. Über das Programm mint:pink besuchen auch Mittelstufenschülerinnen regelmäßig die HSU. „Wir sind sehr froh, dass wir so lange dabei sind. Insbesondere der weibliche Nachwuchs in den MINT-Fächern liegt uns am Herzen“, sagt HSU-Präsident Klaus Beckmann. Nicht weniger wichtig ist dem Professor der Kontakt zu den Multiplikatoren an den Schulen. Jugendliche wie Lehrkräfte beschäftigen Fragen der hybriden Kriegsführung, Wehrdienst oder wie technologische Innovationen sowohl zu militärischen als auch zivilen Zwecken verwendet werden. „Unsere Lehre wandelt sich immer mehr in Richtung Dual-Use“, so der HSU-Präsident. Er freut sich über Bundesmittel für Forschungsprojekte in dem Bereich. „Es ist schön, wenn man da einen gewissen Rückenwind spürt.“

Netztechnik und Netzwerfer

Rückenwind für das Team um Gerd Scholl, Professor für Elektrische Messtechnik. „Wir sind die mit den Netzen und den Drohnen“, sagt der Professor und hält ein Netz mit vielen kleinen Drohnen in der Hand. Symbol für seine Forschung zu Sensorik und Kommunikationstechnik, aber auch für die Netzwerfer-Drohne „Falke“, die das HSU-Team entwickelt hat. „Eine Drohne ist ja nur ein umgedrehter Staubsauger. Alles, was sie von oben kriegt, saugt sie begehrlich auf“, erklärt der Wissenschaftler das Prinzip und zeigt in einem Video, wie das dazugehörige Drohnenabfangsystem funktioniert: Sensorik am Boden detektiert die nicht autorisierte Drohne am Himmel und navigiert die Abfangdrohne zum sogenannten „Rendez-vous-Punkt“: Ein romantischer Begriff für die Stelle, ab der die „Falke“-Sensorik das feindliche Fluggerät ins Visier nehmen kann. Der Rest hängt am Wind und der Flugdynamik: „Die Drohne entscheidet am Ende selbst, wann sie auslöst, da ist relativ viel Algorithmik drin“, sagt Gerd Scholl.

Stützen und Schützen: Materialforschung rettet Leben

An der nächsten Forschungsstation verfolgen die Lehrkräfte, wie offenporige Metallschäume oder beschichtete Polymere aus dem 3D-Drucker zum Schutzwall werden. „Die Poren gehen nach und nach kaputt, absorbieren dabei Energie, die dann bei der Person, dem Fahrzeug oder Gebäude nicht mehr ankommt“, erklärt Sergej Grednev die Methodik. Der Wissenschaftler gehört zum Team von Anne Jung. „Wir machen Grundlagenforschung, arbeiten aber genauso auch mit Rüstungsfirmen, Kampfmittelräumdienst und Bundeswehr zusammen“, so die Professorin für Schutzsysteme. Spannend findet das Petra Schick. Ihr Chemieprofil untersucht Schutzwesten aus vielen Lagen Kevlar-Gewebe, ihr Philosophiekurs diskutiert den Einsatz von KI-gesteuerten Drohnen im Krieg. Verständlich, dass die Lehrerin gern tiefer einsteigen möchte. „Es wird Folgeveranstaltungen zur militärischen Forschung am Hamburger Standort geben“, verspricht Sabine Fernau.

Und weiter gehts mit Dual-Use-Forschung

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