Dual-Use-Forschung
25.02.2026

Dual-Use-ForschungWargaming made in Germany

Die Kinderzeichnung „Haus vom Nikolaus“, das kurze Wort aus vier Buchstaben auf Papier festgehalten oder lieber mehrere Begriffe aus dem Makler-ABC wie Lage, Grundriss, Bausubstanz: Welche Darstellung von einem Haus ist am überzeugendsten? Zur Beantwortung nehmen Hamburger Lehrkräfte bunte Magnete in die Hand – und setzen diese mehrheitlich auf ein dreidimensionales Modell, das aus einem Steckbausystem für Kinder stammt. „Man sieht ganz klare Präferenzen in der Darstellung“, fasst Philip Schäfer zusammen. Nicht selten hat der promovierte Politikwissenschaftler mit Entscheidungsträgern aus Militär und Politik zu tun. Dann geht es um Strategien zu Sicherheitsthemen wie Klimawandel oder Cyberattacken, doch die Spielmechanik ist dieselbe: „Wir können damit Muster in Entscheidungen, Annahmen und blinde Flecken sichtbar machen.“

Vom Stress zur Entscheidung

Philip Schäfer ist Co-Director des German Wargaming Center, eine noch junge Einrichtung mit wachsender Bedeutung. Im Zentrum steht ein Kernteam, das seine Wirkung vor allem durch enge Vernetzung mit Fellows, Partnerinstitutionen und Entscheidungsträgern entfaltet. Das Center ist gerade erst gegründet und hat an der Hochschule der Bundeswehr drei feste Beschäftigte, hinzu kommt ein breites Netzwerk an Fellows. Darunter der Uni-Präsident Klaus Beckmann, der gerade die Lehrkräfte auf ihrer Exkursion begrüßt und dann zum Austausch mit Wissenschaftlern eingeladen hat. Alles unter der Überschrift „Dual Use“: Darunter versteht man Güter und Technologien, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. So wie es auch „Business-Wargaming“ gibt: „Es geht um sämtliche Entscheidungen in Konflikt- und Stresssituationen“, betont Philip Schäfer und erzählt von neuen Spieldesigns. Für den Paradigmenwechsel stehe ein Wettbewerbskontinuum, in dem Akteure sich dauerhaft in einem dynamischen Spannungsfeld zwischen Kooperation und Konfrontation bewegten.

Vom Spiel zum Ernstfall

„Grönland“, entfährt es Exkursionsteilnehmer Martin Biebl – beim Thema Freundfeind liegen die USA förmlich in der Luft. Entscheidungsmechanismen durch standardisierte Spieldesigns offenlegen und vergleichbar machen, Strategiefähigkeit messen und möglichst verbessern, all das ist neu für viele NAT-Lehrkräfte. „Eine interessante Verknüpfung zwischen internationaler Politik, Psychologie, Mathe und Informatik“, findet Martin Biebl. Im zuerst vorgestellten Forschungsbereich „Informatik im Maschinenbau“ hat der Mathe- und Physiklehrer viel Vertrautes angetroffen: Wie man technische Systeme mittels Algorithmen auf Anomalien überwacht und auch Diagnose, Planung und Entwicklung automatisiert, erklärt Daniel Vranješ im Schnelldurchlauf. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Informatik im Maschinenbau. Forschung und Lehre sind hier interdisziplinär ausgerichtet, Informatiker, Physiker und Mathematiker arbeiten Hand in Hand.

Von der Schulmathematik zur Informatik

Längst hat Daniel Vranješ seinen ehemaligen Mathelehrer von der Sankt-Ansgar-Schule erkannt. „Sie haben sich gar nicht verändert“, wendet er sich nach seinem Vortrag an Martin Biebl. 2012 hat Daniel Abi gemacht und der Matheunterricht sei so prägend gewesen, dass die Motivation bis zur Promotion über Anomalie Erkennung in cyberphysischen Systemen reichen sollte. Noch in diesem Jahr will Daniel sie abschließen. „Wir entwickeln unter anderem datenbasierte und hybride Algorithmen für Systeme mit einer Komplexität, die man als Mensch nicht mehr überschauen könnte“, sagt der Ingenieur. Das ruft seinen ehemaligen Lehrer und die neue Sensorik der Sankt-Ansgar-Schule auf den Plan: Wenn Temperatur, Druck und CO2-Daten auffällig werden, ist dann der Sensor defekt ist oder hat das System eine Anomalie? Das ist kein Schüler-Lehrergespräch, es ist ein Austausch auf Augenhöhe, der sichtlich Spaß macht.

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