
mint:dual goes CEOSchülerinnen im Austausch mit dem Aurubis-Chef Toralf Haag
Womit anfangen, wenn man 16 oder 17 Jahre alt ist und zum ersten Mal in seinem Leben das Büro eines Vorstandsvorsitzenden betritt? Zunächst einmal sammelt man Eindrücke: Wie aufgeräumt, hell und freundlich die Aurubis Chefetage ist, dass das kupferne Firmenlogo so ziemlich die einzige visuelle Ablenkung an der Wand ist und Toralf Haag selbst ein zugewandter Gastgeber vor einer Tasse Tee. Seine Entspannung überträgt sich schnell auf die drei Schülerinnen, die das Programm mint:dual mit dem Konzernchef zusammengebracht hat. Es will für mehr weiblichen Nachwuchs in der dualen MINT-Ausbildung sorgen. Aurubis ist einer der Programmpartner und hat bereits im letzten Jahr zu einem „Markt der Möglichkeiten“ in die Zentrale geladen. Dieses Mal geht es zwei Etagen höher und Sophie-Barat-Schülerin Emilia, Guyla-Trebitsch-Schülerin Latifah sowie Elmira vom Gymnasium Harksheide dürfen groß denken – und vor allem Fragen stellen.
Welche Eigenschaften sollte ein CEO mitbringen?
Das ist eine gute Frage, lobt Toralf Haag und zählt auf: Disziplin – „das ist das Wichtigste“ – operatives und zugleich strategisches Denken, Internationalität, aber auch Resilienz. „Es hört sich immer toll an, CEO zu sein, aber man muss auch sehr viele Krisen und Probleme aushalten – und dennoch gut schlafen.“ Schließlich sei sein Arbeitstag von 8.00 bis 22.00 Uhr voll durchgetaktet und Entschlossenheit gefragt, gerade in Krisenzeiten wie der Pandemie oder Russlands Krieg: „Da muss man wie Helmut Kohl nach der Wende ganz schnell Entscheidungen treffen, das ist sehr anspruchsvoll.“ Als der „Kanzler der Wende“ regierte, waren die drei Schülerinnen noch nicht geboren, aber dass die schwierigsten Momente im Leben stets die sind, die man zum ersten Mal durchmacht – das können sie gut nachvollziehen. Zum ersten Mal von zu Hause weggehen, eine Ausbildung wählen, einen CEO befragen, beispielsweise.
Wenn Sie sich noch einmal in Ihr 16-jähriges Ich versetzen, was würden Sie uns raten?
Toralf Haag vertritt die Philosophie, dass es für jeden irgendwo einen Platz gibt, den es zu finden gilt. „Ich habe auch schon mit 16 viele Praktika gemacht, im Labor, Werk oder Büro gearbeitet und früh in mich hineingehorcht: Wo habe ich Spaß dran, wo bin ich gut drin?“ Wer Spaß im Job hat, sei auch richtig gut, so seine Erfahrung. Möglichst viele unterschiedliche Betriebe zu sehen und zu befragen, genau das machen die mint:dual Teilnehmerinnen ja schon, was ihnen noch fehlt, ist der Mentor außerhalb der Familie. „Sich mit älteren und erfahreneren Menschen treffen und lieber einmal mehr fragen als nicht fragen“, empfiehlt der CEO. Elmira fängt den Ball auf: Wie lange darf die Zeitspanne zwischen Abi und Studium sein, möchte die 17-Jährige wissen. Maximal ein halbes Gap-Year, lieber im Studium Zeit für Praktika einplanen, so der Rat des Managers.
Wie gehen Sie mit neuen Ideen und Innovationen um?
Change Prozesse und Berufsorientierung haben Gemeinsamkeiten: Man besinnt sich auf eigene Stärken und Wettbewerbsvorteile. „Das Wichtigste ist zu definieren, was man nicht sein möchte“, sagt der promovierte Betriebswirt Toralf Haag. Auf der anderen Seite dürfe man nicht betriebsblind werden und sollte den internen und externen Austausch suchen. „Man muss das Unternehmen ständig weiterentwickeln, damit Innovationen entstehen und die Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleibt.“ Zu einer Innovation hat der Aurubis Chef nun selbst beigetragen. Es heißt „mint:dual goes CEO“: Haag hatte den Schülerinnen auf dem „Markt der Möglichkeiten“ versprochen, dass seine Tür stets offen stünde. Nach eindrucksvollen 60 Minuten ist klar: mint:dual goes CEO wird keine einmalige Veranstaltung bleiben.
Markt der Möglichkeiten bei Aurubis












