
Ein leicht süßlicher Geruch liegt in der Luft, Motorgeräusche, Gebläse und Ventilatoren dominieren. Avi muss sich ordentlich anstrengen, um gegen den Lärmpegel anzukommen: „Hier versetzen wir den Lack mit kleinen Perlen, zwischen ihnen wird das Pulver zerrieben – wie in einer Kaffeemaschine“, sagt die Azubine mit lauter Stimme. Avi ist angehende Lacklaborantin im ersten Lehrjahr und normalerweise in einem der zahlreichen Labore beim Farben- und Lackproduzenten Mankiewicz tätig. An diesem Vormittag führt sie zusammen mit ihrer Kollegin Magda Schülerinnen durch die Fabrik, zunächst in die Warenannahme. „Über 1.500 unterschiedliche Rohstoffe kommen hier an“, so Magda. Mal flüssig, meist pulverförmig, auf jeden Fall müssen die Pigmente, Füllstoffe und Additive gut vermischt werden. Nach einem Rezept, das Menschen wie sie und Magda entwickeln, sagt Avi nicht ohne Stolz.
„Putzmittel oder Zahnpasta, Chemie ist Alltag – das hat mich gecatcht!“
Aber mischen allein reicht nicht. Damit ein gleichmäßiger Lack entsteht, müssten die einzelnen Segmentpartikel aufgetrennt werden, erklärt Avi und reicht den Schülerinnen eine Folie mit der Innenansicht einer „Perlenmühle“ weiter. Latifah schaut sich ganz genau an, wie die Farbpartikel zwischen den Perlen, kaum gröber als Sandkörner, zerrieben werden. „Das ist wie ein Extra-Peeling“, meint sie. Ein Tipp ihrer Chemielehrerin hat die Gyula Trebitsch Schülerin auf das Programm mint:dual gebracht, es will das Tor zu naturwissenschaftlich-technischen Ausbildungen öffnen. Für die Exkursion „Farben und Lacke der Zukunft“ hat sich die 16-Jährige ganz allein von Tonndorf nach Wilhelmsburg auf den Weg gemacht. Dass Mitschülerinnen sie dafür als Streberin abtun, nimmt sie in Kauf. „Putzmittel oder Zahnpasta, Chemie ist Alltag – das hat mich gecatcht!“, sagt die Zehntklässlerin.
„Einen Tag im Labor und ich wusste, das ist es!“
Über einen Umweg ging es auch Magda so: Nach der Schule hat sie zunächst ein Studium Wirtschaftsingenieurwesen in Leipzig begonnen. „Alle studieren, also habe ich das auch gemacht, aber das war zu trocken und nichts für mich.“ Magda wollte praktisch arbeiten, suchte nach Laborberufen und fand die Lacklaborantin bei Mankiewicz: „Ich konnte mir auch nicht so viel darunter vorstellen, aber hier gibt es drei Tage Schnupperpraktikum im Bewerbungsprozess und schon am ersten Tag wusste ich, das ist es“, erzählt sie. Im Mechanischen Testcenter, kurz MTC demonstriert die 23-Jährige, wie die Lackqualität auf unterschiedlichen Substraten von Metall bis Kunststoff auf Biegung, Haftung und Glanzleistung überprüft wird. Mit dem richtigen Lack können Automobilhersteller auch im Innenraum glänzen, obwohl die Griffe und Armaturen oft nur aus Kunststoff sind, erklärt sie: Lacklaboranten sind auch wenig Zauberkünstler.
„Sehr cool, man darf nur nicht zu schnell aufhören.“
Physik, Chemie, Praxis: Im zweiten Teil der Veranstaltung dürfen die Mädchen selbst Hand anlegen. Neel, Verfahrungsmechaniker für Beschichtungstechnik im dritten Lehrjahr führt die Gruppe durch die Anwendungstechnische Abteilung, ATA genannt. Hier werden geänderte Rezepturen geprüft, bevor diese im großen Maßstab produziert werden. An der letzten Station ziehen die Mädchen Schutzanzüge, Maske und Handschuhe an und lassen sich von Neel die Handhabung der Lackierpistole erklären: „Wenn du langsamer ziehst, würde ich die Materialschraube weiter zudrehen, damit da nicht zu viel Lack auf das Substrat kommt“, sagt Neel. Erst kommt viel Luft, dann hat Latifah den Schleifpunkt fest im Griff – und zieht von links nach rechts über den Rand des Metallstücks hinaus, wie es Neel gezeigt hat. Seife, Zahnpasta, Hautcreme – Latifahs Tag hat mit Chemie begonnen und wird damit enden. Nun bringt sie noch eine glänzend lilafarbene Metallplatte nach Hause. Ihr Fazit: „Sehr cool, man darf nur nicht zu schnell aufhören.“ Das gilt fürs Lackieren, aber auch für Suche nach einem passenden Beruf.












