Vom Masterplan der Energiewendeclean:tech inspiziert die Werkstatt des CC4E
Alle Schlüsseltechnologien der Energiewende unter einem Dach, das ist die Idee hinter dem Technologiezentrum am Energie-Campus Bergedorf – auch wenn kein Besucher das wortwörtlich nehmen sollte. Die erste Station führt nämlich nicht unters, sondern aufs Dach: Photovoltaik-Module in Reih und Glied richten sich nach der Sonne aus, im Hintergrund drehen sich fünf Windräder. „Beeindruckend, eine Hochschule mit einem eigenen Windpark nur für die Forschung“, staunt Sophia. Die Buckhorn Gymnasiastin interessiert sich für Naturwissenschaften und möchte sich darin möglichst breit aufstellen. Da kam das NAT-Angebot, innovative saubere Technologien vor Ort kennenzulernen, gerade recht. Die zweite clean:tech Exkursion geht in die Forschungseinrichtung CC4E, das Competence Center for Energy Transition der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW Hamburg).
Der alternativlose Masterplan
Bei der Gründung vor 18 Jahren an der HAW Hamburg stand das Kürzel „4E“ noch für „Erneuerbare Energien und Energieeffizienz“. Doch die Forschung sei vorangeschritten, größer und fakultätsübergreifender geworden, macht der Leiter des CC4E, Professor Hans Schäfers deutlich: „100 Forschende in 30 Projekten bemühen sich hier um die Energiewende in Summe.“ Dabei diene ihnen das Technologiezentrum als Werkstatt: E-Lastenrad neben Blockheizkraftwerk und Elektrolyseur, die drei Sektoren Mobilität, Wärme und Strom werden hier gekoppelt. „Die Technologien müssen alle zusammen agieren, damit die Energiewende gelingt.“ Wie eine durch fossile Brennstoffe geprägte Gesellschaft ein CO2-freies funktionierendes System aufbauen kann, an dieser Frage haben Wissenschaftler wie Professor Schäfers lange geforscht: „Es gibt genau einen Masterplan, wir haben keinen Plan B – wir können es nicht völlig anders machen!“
Die zentrale Herausforderung
Das Grundproblem dabei ist bekannt: Strom kann man nicht zwischenspeichern, in jeder Sekunde muss so viel Strom erzeugt werden wie auch verbraucht wird. Das zu regulieren, ist mit gut planbaren Kraftwerken auf fossiler Basis kein Problem. Anders bei Anlagen, die vom Sonnenschein oder Wind abhängig sind und schon über 60 Prozent unserer Stromversorgung ausmachen. „Wieso kann man nicht zwischenspeichern, es gibt doch große Batteriespeicher“, wirft Mats ein. Hans Schäfers nickt und zeigt in Richtung Windpark: „Wir bauen hier gerade den bundesweit größten Batteriespeicher in einer deutschen Großstadt“, sagt der Umwelttechniker und muss selbst ein wenig über die Formulierung aus der Pressemitteilung schmunzeln. Schließlich sind die Vier- und Marschlande nicht so wirklich Großstadt und ein 400 Megawattstunden Batteriespeicher rettet Hamburg noch nicht einmal durch eine Nacht.
Der große Baustein der Energiewende
Dennoch trifft Mats‘ Vorschlag den Kern des Masterplans: Erstens intelligent vorsorgen und vernetzen. Zweitens den Energieüberschüssen nutzen und daraus mittels Elektrolyse grünen Wasserstoff herstellen, der in Gastanks gespeichert und später in Gaskraftwerken wieder zu Strom umgewandelt wird. „Damit schließen wir die Lücke, nehmen die Sektoren Mobilität und Wärme mit und koppeln sie mit dem Stromsystem“, so der Professor. „Power-to-Gas“, aus Strom Gas machen, diese Formel zieht sich auch durch den Rundgang. Sophia wundert sich über menschenleere, aufgeräumte Labore ohne Reagenzgläser und Abfälle. „Die Studierenden arbeiten hauptsächlich mobil mit den Daten“, sagt Smart Grid Laborleiter Sebastian Farrenkopf. „Smart Grid ist ein Schlagwort aus der Stromwende, wir übertragen das jetzt auf das Gas- und Wärmenetz und nutzen das Internet dafür“, erklärt der Laborleiter seinen Berufstitel. Dass Flexibilisierung eines der größten Bausteine der Energiewende ist, diese Botschaft ist angekommen: „Der Vortrag hat sich gar nicht wie eine Stunde angefühlt, uns auf den neuesten Stand gebracht und mir den Masterplan deutlich gemacht“, lobt Florian. Wenn Hamburg 2040 klimaneutral ist, dürfte er Karrierestarter und als Ingenieur, Umwelttechniker oder Biotechnologe absolut gefragt sein, betont Professor Schäfers: „Wir brauchen euch alle ganz dringend!“