Umwelttechniker Hans Schäfers, Professor für Intelligente Energiesysteme und Energieeffizienz an der HAW Hamburg und Leiter des Competence Center for Energie Transition (CC4E). Die fakultätsübergreifende Forschungseinrichtung steht seit ihrer Gründung im Jahr 2008 für die Beantwortung von Fragen rund um die Energiewende, die Weiterentwicklung innovativer Technologien und den Austausch mit Politik und Gesellschaft. Vor seinem Ruf an die HAW im Jahr 2017 war Hans Schäfers einer der ersten registrierten Gebäudeenergieberater Deutschlands. Inzwischen berät er als Mitglied des Klimabeirats den Senat in energie- und klimapolitischen Fragen.
NAT: Wie hat alles angefangen?
Schäfers: Mit dem Bewusstsein, dass Menschen auch nur Lebewesen in einer ökologischen Nische sind: Wir haben eine Art Sweetspot, wo wir uns am liebsten aufhalten – und diesen Sweetspot machen wir uns gerade selber kaputt. Immer mehr Treibhausgase in die Atmosphäre zu bringen, das hat schon die Generation meiner Eltern angeschubst, meine Generation hat den Karren dann weiter in den Dreck gezogen. Aber dann sind wir aufgewacht, haben Lösungen entwickelt und dafür gesorgt, dass diese auch bezahlbar sind: Als wir im Jahr 2000 angefangen haben, waren Photovoltaik und Windkraftanlagen noch die teuersten Technologien, jetzt gibt es nichts billigeres mehr, um Strom zu produzieren. Damit kann man die ganze Welt antreiben, mehrere hundertmal.
NAT: Was treibt Sie an?
Schäfers: Die Energiewende ist eine Systemaufgabe, der Wandel fundamental und wir haben richtig viel zu tun: Vor der Energiewende funktionierte jeder Sektor separat und hatte seinen eigenen Brennstoff, der Mobilitätssektor das Erdöl, Wärme das Gas, Strom kam aus dem Kohle- oder Atomkraftwerk. Im neuen System sind die Verbrauchssektoren alle an das Stromsystem gekoppelt. Das bedeutet, ich muss mir genau überlegen, was ich wann mache und das Auto möglichst nicht laden oder die Wärmepumpe starten, wenn es gerade zu wenig Strom aus Wind und Sonne gibt. Das Thema Smart Grid hat mich schon in der Promotion beschäftigt, die Flexibilisierung bleibt einer der größten Bausteine der Energiewende und auch die Restemissionen müssen noch gelöst werden. Wie wir CO2 wieder aus der Atmosphäre herausholen, daran forschen wir hier im CC4E auch, aber die Verfahren müssen viel billiger werden – genau wie es bei Sonnen- und Windenergie durch Massenproduktion geschehen ist. Aber das macht meine Generation nicht mehr, das ist echt noch eine Aufgabe für den Nachwuchs.
NAT: Stichwort Nachwuchs - Was treibt Sie bei dem Thema um?
Schäfers: Der Klimawandel ist momentan so stark wie dreizehn Hiroshima-Atombombenexplosionen jede Sekunde, das ist die Energiemenge, die neu ins System reingeht, das halten wir nicht lange durch, davon müssen wir schnell runter – und dafür brauchen wir „the next generation“. Doch wie alle ingenieurstechnischen Studiengänge leiden wir darunter, dass da vorne in den Studiengängen so viel Mathe und Physik drinsteht, das ist für viele nicht besonders attraktiv. Dabei sind die Chancen riesig: So wie die Automobilindustrie sich gerade entwickelt, avanciert der Energiesektor zum größten Wirtschaftsbereich. Im CC4E arbeiten Biotechnologen, Fahrzeug-, Elektro-, Umwelt- und Verfahrenstechniker zusammen. Das Bild ist total bunt und meine Botschaft an den Nachwuchs klar: Sucht euch was aus, wir brauchen euch alle!
Mit Jugendliche aus dem Programm clean:tech haben wir den Energiecampus des CC4E besucht. Mehr dazu gitb es im Bericht Vom Masterplan der Energiewende zum Nachlesen.