Karrierekick mit Elbeblickmint:dual goes CEO: Kirsten Fust vernetzt sich mit Schülerinnen
Fragebogen, Mini-Drehbuch, Mut – nichts von all dem braucht es, um mit Kirsten Fust ins Gespräch zu kommen. Die technische Geschäftsführerin der Hamburger Energiewerke hat sich Zeit genommen für Elmira, Ester und Latifah, Teilnehmerinnen von mint:dual. Das Programm schlägt eine Brücke von der Schule zur Praxis, will Karrierewege aufzeigen und das passt gut zum Aufsichtsratsraum im vierten Stock mit Blick auf das Heizkraftwerk Tiefstack und noch besser zu Kirsten Fust, die nach dem Abi Elektroinstallateurin gelernt hat. Dass es dabei nicht geblieben ist, hat mit Neugier, Durchsetzungsvermögen, aber auch dem Interesse an Menschen zu tun und daher will sich die Chefin erst einmal ein Bild von ihren jungen Gesprächspartnerinnen machen. „Wo stehst du gerade?“, fragt sie Elmira. Die Abiturientin steht vor einem Freiwilligen Sozialen Jahr und der Frage, ob eine technische Ausbildung oder ein Informatikstudium passend sein könnten. Von ihrem Traum, CEO eines Start-ups zu werden, erzählt Elmira nichts. Den verrät allenfalls ihre erste Frage:
Wie haben Sie den Aufstieg zur Geschäftsführerin geschafft?
Kirsten Fust hat ihren Aufstieg nicht bewusst geplant: „Man kann nur begrenzt Karriere vorplanen“, sagt sie. Spaß an neuen Herausforderungen und Lust auf Abwechslung waren der Motor, der sie vom Studium der Elektrotechnik zur Schweißingenieurin und weiter zum Projektmanagement führte. Weiterbildungen, die signalisierten: Da ist eine Technikerin, die mehr will – und das fiel auf. „Ich hatte immer jemanden, der auch für mich gesprochen hat, ich habe stets den Mund aufgemacht, wenn mir etwas nicht gefallen hat und ich habe fast jede Chance genutzt“, resümiert die Ingenieurin. Folglich lautet ihr Rat an die Mädchen: Sich jemanden zu suchen, der auf der Karriereleiter über einem steht und zu dem man einen guten Draht hat, und sich so früh wie möglich durchzusetzen und nicht die „Butter vom Brot nehmen zu lassen.“
Was tun Sie, um den Stress nicht mit nach Hause zu nehmen?
Die Geschäftsführerin ist ein positiver Mensch und überzeugt, dass sich die Welt auch nach Rückschlägen weiterdreht. Ihr Weg für mehr Work-Life-Balance: Sich Hilfe holen, etwa bei der Hausarbeit, Wochenenden wie Abende möglichst nicht am Rechner verbringen und für Ausgleich durch Hobbies sorgen. Kirsten Fust zeigt den Mädchen ihren Ring, den sie selbst geschmiedet hat. Selbst, wenn schwierige Entscheidungen anstehen, vor denen sie nicht gut geschlafen hat, steht sie morgens gerne auf, betont sie. „Ich liebe meinen Job.“ Ihre Hauptaufgabe bestehe darin, dass alle Hamburger eine warme Wohnung und warmes Wasser zum Duschen haben. Engpässe und Krisen will sie nicht auf andere abwälzen. „Als Chef hast du immer die Verantwortung, egal ob du Schuld hast oder nicht!“
Wie lautet ihr Tipp an Schulabgängerinnen?
So viele Informationen über Zielberufe wie möglich sammeln und sich ausprobieren, sei es, eine Wasserversorgung in Kolumbien aufzubauen, um die Welt zu reisen oder kreativ zu arbeiten. „Schön ist immer, wenn ihr im Hinterkopf behaltet, wo ihr mal hinwollt.“ Kirsten Fust bestärkt die Mädchen darin, an sich selbst zu glauben und früh mit dem Netzwerken anzufangen. Noch aus der Schulzeit kenne sie Führungskräfte, die sie auf dem direkten Weg kontaktiert – und sei es, um eine Praktikantin zu vermitteln. „Denkt an mich und scheut euch nicht, mich anzurufen“, gibt die Chefin den Mädchen noch mit auf den Weg. Eine Botschaft, die ankommt: „Ich will mein LinkedIn Profil reaktivieren“, sagt Ester. Einen Kontakt an die Spitze der Hamburger Energiewerke ist schon mal ein guter Anfang. „Es war ein richtig gutes und echtes Gespräch“, lobt Latifah. Elmira ist ein Stein vom Herzen genommen: „Mit ganz viel Leidenschaft kommt die Position, die ich mir erhoffe, vielleicht ganz von allein.“
mint:dual goes CEO - mit Toralf Haag, Aurubis