Was den Klimakongress für Hamburgs Oberstufenprofile angeht, macht man Thomas Decker so schnell nichts vor. Viermal schon hat die Merck Fink Stiftung, deren Vorstand er ist, die Veranstaltung gesponsert, viermal hat der Jurist ein Grußwort gehalten, Vorlesungen besucht und schließlich zusammen mit Banker Sönke Niefünd von der gleichnamigen Privatbank einen Workshop über nachhaltiges Investment geleitet, aber noch nie gab es so viel Interesse daran: An die 50 Jugendliche und drei Lehrkräfte sind in den dritten Stock des neuen MIN-Gebäudes der Uni Hamburg gekommen. Der Seminarraum ist hell, modern, schallgedämmt – und ein paar Stühle mehr passen auch noch hinein. „Wir wussten, dass wir ausgebucht sind, aber nicht, dass wir so viele sind: Herzlich willkommen, wir freuen uns sehr“, sagt Thomas Decker und übergibt das Wort an seinen Kollegen.
Kostet es Rendite, wenn man sein Geld nachhaltig anlegt?
Sönke Niefünd startet mit einer Umfrage, ob weniger Rendite der Preis für ein gutes Gewissen bei nachhaltigen Geldanlagen sei. Die große Mehrheit bejaht das, nur ein einziger Schüler glaubt das nicht. Banker Niefünd zeigt sich wenig überrascht von diesem klaren Votum, führt aber zunächst vom magischen Dreieck aus Rendite, Sicherheit, Liquidität zum Viereck, weil die vierte Dimension der Nachhaltigkeit in den letzten 15 Jahren immer wichtiger geworden sei: „Anleger haben wahrgenommen: Mein Geld kann etwas verändern“, sagt er, gibt eine Checkliste gegen Greenwashing aus und lässt das Publikum per Daumenprobe über Gewissensfragen, wie die Unterstützung von Transition-Fonds, etwa für den Weg zum grünen Stahlwerk, oder Rüstungskonzerne abstimmen.
Können Rüstungskonzerne nachhaltig sein?
Was die Jugendlichen am Ende mitnehmen: Nachhaltigkeit ist keine eigene Anlageklasse, sondern kommt überall vor – und erlebt derzeit einen Rückgang: „2025 sind 84 Milliarden Dollar aus nachhaltigen Anlagen abgezogen worden“, so Sönke Niefünd. Das könnte dafür sprechen, dass mit boomenden Ölaktien eben doch mehr Rendite zu machen ist als mit einem Investment in erneuerbare Energien – stimmt aber langfristig dennoch nicht, sagt der Banker und verweist auf eine Studie der Universität Hamburg von Professor Alexander Bassen: „Nachhaltig anzulegen hat keinen negativen Effekt, das Marktrisiko ist immer gleich.“ Thomas Decker wendet sich direkt an Jim, der sich bei der Eingangsabstimmung nicht vom Mehrheitsvotum beeinflussen ließ: „Hast du es gewusst, war es Zufall oder Intuition?“
Was bleibt vom kk26?
„Es gibt auch große klimafreundliche Konzerne, in die du ziemlich sicher investieren kannst“, sagt Jim. Der Elftklässler will Informatik studieren, gern an der Uni Hamburg. Da hat ihm der kk26 schon mal interessante Einblicke in den Campus Bundesstraße gegeben. Er ist in den Workshop von Merck Finck gekommen, weil auch das Fach Wirtschaft zu seinem Physikprofil am Gymnasium Kaifu gehört. „Es gab viel Neues für mich, ich habe gute Antworten bekommen“, sagt der 16-Jährige. Dass auch Insider auf dem kk26 hinzulernen können, macht auch Thomas Decker deutlich. Der Bericht von einer Forschungsreise der HAW Hamburg habe an die Keynote angeknüpft und für Anschaulichkeit gesorgt. „Das bleibt hängen“, sagt der Stiftungsvorstand und lobt auch die Organisation insgesamt. „Es wird immer professioneller, man hat bessere Räumlichkeiten, nutzt die Mensa für das Mittagessen – und das ist auch nachhaltig.“