Wissen statt Wolke 7
05.10.2026

Wissen statt Wolke 7kk26 bringt Jugendliche und Forschende zusammen

Das Kaminfeuer ist ein schönes Bild. Auf das Smartboard projiziert macht es den Hörsaal im neu eröffneten MIN-Forum der Universität Hamburg behaglich. Das hat mit dem ersten Hauptsatz der Thermodynamik, dem Energieerhaltungssatz zu tun: Beim Verbrennen wird chemische Energie unter anderem in Wärme umgewandelt. Wer sich vor den Kamin stellt, wird aufgewärmt, gibt aber auch Wärme an seine Umgebung ab. „Aber man wird ja nicht unendlich warm, irgendwann ist ein Gleichgewicht erreicht“, sagt Stefan Bühler. Der Leiter des Fachbereichs Erdsystemwissenschaften beginnt seinen Vortrag zu Klimarückkopplungen durch Wasserdampf und Wolken mit den Grundlagen. Schließlich sitzen an diesem Vormittag keine Studierenden vor ihm, sondern Oberstufenschülerinnen und -schüler – und für die wird es schnell komplex.

Aufgeheizte Strahlungsbilanz

„Je wärmer Körper werden, desto mehr Infrarotstrahlung geben sie ab“, erklärt der Professor die temperaturabhängige Wärmestrahlung. Dass die Balance zwischen dem von der Erde aufgenommenen Sonnenlicht und der ins All abgegebenen Wärmestrahlung derzeit gestört ist, ist kein Geheimnis. Schon gar nicht auf einem Klimakongress, der nun schon zum achten Mal Oberstufenprofile mit aktueller Forschung zusammenbringt. Doch der menschengemachte Treibhauseffekt durch immer mehr CO₂ in der Atmosphäre wird durch Rückkopplungen verstärkt: Eine wärmere Atmosphäre enthält mehr Wasserdampf, und auch Veränderungen bei hohen Wolken können die Erwärmung zusätzlich verstärken: „Die hohen Wolken sind kalt und strahlen nicht viel Infrarot ab“, erklärt Professor Bühler und unterstreicht damit, warum Klimaforschung so schwierig ist. „Wir müssen die Rückkopplungen alle verstehen, wenn wir vorhersagen wollen, um wie viel Grad es wärmer wird.“

Beschleunigter Energiehunger

Grau ist der Himmel über Hamburg an diesem Vormittag, gut fürs Klima und doch nur ein schwacher Trost. „Es wird nicht besser, aber es ist cool zu wissen, wie es am Ende funktioniert“, sagt Jan. Der Zwölftklässler am Lise-Meitner-Gymnasium will Mathematik studieren – da ist er nicht nur bei der komplexen Formel zu Rückkopplungseffekten richtig, sondern auch bei dem Folgevortrag von Thomas Schörner. Der promovierte Elementarteilchenphysiker geht beim Energieverbrauch der Grundlagenforschung und insbesondere der Teilchenbeschleuniger tief ins Detail und verweist auf die Bedeutung der Erkenntnisse über das Universum, die dadurch gewonnen wurden. Es gehe um Transparenz und Kosten-Nutzen-Analysen. „Die Klimakrise setzt alles, was wir Menschen machen, unter einen wahnsinnigen Rechtfertigungsdruck. Das gilt auch für die Forschung“, so der DESY-Wissenschaftler.

Passabler Faktor Zehn

Eine Zahl bleibt Jan von dem „richtig guten“ Vortrag im Kopf: 20.000 Wissenschaftler am CERN verbrauchen ungefähr so viel Energie wie 200.000 Deutsche. „Ein Faktor zehn ist noch vertretbar, solange die Energie erneuerbar gewonnen wird“, findet Jan. Genau diesen Aufwand stellt Thomas Schörner zur Diskussion. Man kann den nächsten Beschleuniger-Tunnel mit emissionsärmerem Zement herstellen, aber das kostet. Man kann überlegen, die Maschinen vor allem dann laufen zu lassen, wenn viel erneuerbarer Strom verfügbar ist, oder sie dort bauen, wo er besonders reichlich erzeugt wird. Oder noch zehn Jahre warten. „Die Zeit spielt überall für uns“, sagt der Physiker. Jan begrüßt es, wenn die Grundlagenforschung ihren Erfolg auch im Verhältnis zum Energieverbrauch betrachtet. „Ich bin klimainteressiert“, sagt er. Das 1,5-Grad- Ziel sei nicht mehr zu halten, umso wichtiger dafür zu sorgen, dass noch „die nächsten zehn Generationen nach uns weiter auf dieser Welt leben können.“ Stoff für weitere Jahrzehnte Schülerklimakongress gibt es auf jeden Fall reichlich.

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