Raketenwissen leicht gemachtDas Hamburg Space Team der TUHH trifft mint:pink
Rechner, Raketenteile, Kabel – viel Raum bleibt da nicht für das Hamburg Space Team. Schon gar nicht, wenn es mint:pink Teilnehmerinnen zu Besuch hat, die sich für die Raumfahrttechnik interessieren. „Wir sind gerade noch in Verhandlung mit der Uni, dass wir größere Räume bekommen“, sagt Lion. Der Maschinenbaustudent der TUHH engagiert sich in dem gemeinnützigen Verein für flüssigkeitsgetriebene Raketen. „Das ist Neptune“, zeigt Lion auf das Exemplar aus Carbon, das an der Raumdecke hängt, „sollte 500 Meter hoch fliegen und hat so 30 Meter geschafft.“ Die Besucherinnen schauen betreten, aber Lion klingt entspannt. Rückschläge und Fehlstarts gehören bei einer so komplexen Technologie dazu – und es gibt auch Erfolge.
Kinderspielzeug hochengineert
Etwa die kleine Schwester von Neptune, die Lion den Schülerinnen in einem größeren Seminarraum präsentiert: „Ratet mal, wie hoch diese Rakete mit zwei Litern Wasser und zwanzig Bar Druckluft gekommen ist.“ Die Mädchen hangeln sich von 20 auf 100 Meter hoch, aber die Rakete hat sogar 156 Meter geschafft. Und wie weit kann eine Papierrakete per Luftdruck fliegen? Das sollen die Schülerinnen nicht raten, sondern bauen und testen – mit Klebeband, Papier und Schere. „Kinderspielzeug hochengineert“, so Lion. Will heißen: Sieht kinderleicht aus, will aber gut überlegt sein, schließlich kommt nur weit, was auch gerade fliegt. Dafür braucht die Rakete bestimmte Features, die sich die Mädchen in Gruppenarbeit selbst erarbeiten: Klebstoff, Tesa und drei bis vier Finnen möglichst gleichmäßig verteilen, damit keine Unwucht entsteht und alles fest verschließen.
So hochpreisig wie hochfliegend
„Luftdicht“ notiert Jette mit drei Ausrufezeichen auf einem der Arbeitspapiere. Die Albrecht-Thaer-Gymnasiastin baut zusammen mit Hannah vom Marion-Dönhoff-Gymnasium und Lily von der Sophie-Barat-Schule an der Rakete „Messier31“. Über (Schul-)Grenzen gehen, das hat die Raumfahrt groß gemacht und so ist es auch in diesem Fall: Jette springt mit Schmackes auf die Fuß-Abschussrampe und „Messier31“ hebt ab, nicht bis zu unserer Nachbargalaxie, aber immerhin über so viele dunkle Markierungen auf dem TU-Campus weg, dass Mika erst mal ganz schön weit laufen und dann rechnen muss. Kein Problem für einen, der im Vorstand des Space Teams für die Finanzen zuständig ist und großzügige Sponsoren im Sinn hat. „Weltraum ist leider nicht günstig, aber es lohnt sich“, betont der Maschinenbaustudent.
Angeschrägt ist angesagt
Gelohnt hat sich das präzise Arbeiten für das „Messier31“-Team, denn die Rakete knackt den Rekord. „41 Meter“, ruft Mika und Lion lobt die Mädchen für die hermetische Abdichtung der Spitze mit einem Tape und die leicht angeschrägte Konstruktion: „So habt ihr Drall in die Rakete bekommen, das hält sie stabil gerade.“ Lily nickt, mit Aerodynamik kennt sie sich aus. „Ich interessiere mich für die Raumfahrt und die Physik dahinter, da herrschen ganz andere Gesetze“, sagt die Oberstufenschülerin. Besonders spannend für Lily war daher auch der Einführungsvortrag zur Raumfahrtelektronik von Professor Ulf Kulau. Unter der Frage „Warum fühlt sich mein Laptop im Weltall nicht wohl?“ hatte dieser anschaulich erklärt, warum Elektronik im Weltall durch Strahlung, Hitze und Vakuum schnell stirbt – und die Raumfahrt verteuert. Lily will auf jeden Fall in die Forschung gehen, vielleicht mit Medizin oder Physik, Hannah von der Erde aus weitere Artemis-Missionen verfolgen und Jette wünscht Neptune eine zweite Chance. Ihr Lieblingsfach ist Chemie – und die stimmt bei Messier31 auf jeden Fall.