Saubere Technologien in der Praxis
09.05.2022

Saubere Technologien in der Praxis

Was macht eigentlich die Industrie, um klimaneutral zu werden? Das war die Fragestellung für den zweiten Programmtag von clean:tech. Rund 50 Schülerinnen und Schüler aus fünf Stadtteilschulen Hamburgs waren virtuell zu Besuch bei Aurubis, dem größten Kupferproduzenten weltweit. Dessen erklärtes Ziel ist es bereits deutlich vor 2045 klimaneutral zu werden, wobei das energieintensive Unternehmen auf eine Vielzahl von Maßnahmen setzt. Rede und Antwort standen an diesem Tag der Ausbilder Jörg Holstein und Hans-Christian Henne, Director Corporate Energy & Climate Affairs. Bei einer virtuellen Werksführung gab es zunächst einen Einblick in die Prozesse in einer Kupferhütte. Jörg Holstein, selbst jahrzehntelang in der Produktion tätig, erklärte ausführlich, wie Prozesse der Raffination und Elektrolyse in der Metallgewinnung ablaufen und wo eigentlich die großen Mengen Energie gebraucht würden. Fragen, die die Schülerinnen und Schüler besonders interessierten.

CO2-Reduktion steht im Fokus

Den bereits umgesetzten und in Zukunft geplanten Klimaschutzmaßnahmen des Unternehmens, widmete sich anschließend Dr. Julia Köhler (NAT) im Gespräch mit Hans-Christian Henne. „Klimaschutz hat in den letzten Jahren ziemlich viel Zulauf erfahren“, betonte Henne, „deshalb wird auch jedes Projekt bei Aurubis unter Klimagesichtspunkten bewertet und insbesondere jene die CO2 reduzieren stehen bei uns im Fokus.“ Projekte, wie die Umrüstung auf Wasserstoff als Produktionsenergie oder die Eigennutzung von Abwärme und Lieferung von Fernwärme, wie im Falle der östlichen Hafencity in Hamburg (siehe unten). Auch Recycling spielt in der Kupfergewinnung eine große Rolle und soll noch weiter vorangetrieben werden. „Die Energieeffizienzpotentiale der Werke sind technisch mittlerweile ausgereitzt“, so Henne. Um weiter CO2 einsparen zu können setzt das Unternehmen zunehmend auf die Dekarbonisierung der Lieferketten und der Transformation der Energiequellen. Wo eigentlich die genutzte Energie im Werk momentan herkommt und wie klimafreundlich diese sei, wollten die drei Jungs von der Gyula-Trebitsch-Schule wissen, die live im Stream zugeschaltet waren. Aurubis setzt vermehrt auf Erdgas und Grünstrom, teilweise aus Selbsterzeugung mittels Wind- und Solarkraft, auch, wenn es noch nicht ohne Erdöl funktioniert, so die Erkenntnis aus dem Gespräch.

Die nächste Generation

Im Programm clean:tech geht es auch darum, zu zeigen, welchen Beitrag man selbst leisten kann, um der Erderwärmung entgegenzuwirken. Zum Beispiel mit einer technischen Ausbildung in einem klimarelevanten Bereich wie der Elektrotechnik oder in der Chemie. Denn das Thema Nachhaltigkeit ist längst in der Ausbildung angekommen: Zum einen gibt es Berufe, ohne die die Energiewende nicht umgesetzt werden kann, wie beispielsweise der Einbau von Wärmepumpen oder Solaranlagen, zum anderen beschäftigen sich die Auszubildenden auch selbst mit zukunftsweisenden Projekten. Wie wichtig gute Noten in MINT-Fächern für eine technische Ausbildung seien, war eine Frage, die an diesem Tag aufkam. „Das Interesse ist eigentlich mit das Wichtigste,“ findet Mikael Verfahrenstechnologe im zweiten Lehrjahr. „Vorkenntnisse, aber die sind nicht unbedingt notwendig.“ Die nötigen theoretischen und handwerklichen Grundlagen würden einem in der Berufsschule und der Praxis im Unternehmen vermittelt. Zustimmung auch von Dominik, in der Ausbildung als Elektriker für Automatisierungstechnik. Er betont, dass besonders Mathe und Physik in der Ausbildung eine Rolle spielen würden, gerade aber die Verbindung mit dem Handwerklichen das reizvolle sei. Beide ermutigen die Schülerinnen und Schüler, sich für eine Ausbildung in einem MINT-Beruf zu entscheiden.

Info: Abwärme für die Hafencity

Als die Hafencity in Hamburg geplant und gebaut wurde, war dies die Chance für ein nachhaltiges Energiekonzept. Der Prozess der Kupferraffination im Werk auf der Peute und ein neuer Zwischenabsorber - dem Herzstück des ambitionierten Projektes - liefern sehr viel Wärme. Energie, die nun genutzt wird, um rund 8.000 Haushalte in der östlichen Hafencity über eine Wärmetrasse zu versorgen. Weiteres Potenzial liegt in noch nicht umgerüsteten Produktionsanlagen, die eine CO2-Einsparung von 14.000t und nutzbarer Wärme von 500 Mio. KWh pro Jahr ermöglichen sollen.

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