Kleine Fächer, große Vielfalt
17.12.2021

Kleine Fächer, große Vielfalt

"Grau, teurer Freund, ist alle Theorie...", hat Goethe einst seinen Mephisto zitiert und damit auf die Unzulänglichkeit eines reinen Theoriewissens hingewiesen. Auch die Präsentation des Geophysikers Matthias Hort beginnt ziemlich grau, aber sie wird von Semester zu Semester bunter. "Ohne ein gewisses Interesse an naturwissenschaftlichen Prozessen, Mathematik und Physik geht es nicht", sagt der Professor für Vulkanologie an der Universität Hamburg. Anders ausgedrückt: Erst die Basis macht das Vergnügen, in kleinen feinen Studiengängen großen Forschungsfragen auf den Grund zu gehen. So lernen die Studierenden, wie sie mit seismischen Methoden die Tiefe der Erde erforschen oder per Fernerkundung mit Bojen oder Satelliten den Ozean. Alles andere als graue Theorie, weil genau diese Methoden auf einem Forschungsschiff oder im Wind-Wellen-Kanal praktiziert werden.

Geophysik und Ozeanografie

Das Besondere am Hamburger Modell: Zwischen den Vertiefungsrichtungen Geophysik und Ozeanografie müssen sich die Studienanfänger erst zum Ende des zweiten Studienjahres entscheiden. „Aus meiner Erfahrung ist das sehr hilfreich“, betont Dirk Notz, der Meteorologie studiert hat, sich dann aber im Laufe seines Studiums für Ozeanografie begeisterte und heute als Meereisphysiker bekannt ist. Was das genau bedeutet und wie der Professor auf schwankenden Eisschollen im Norden von Spitzbergen Bohrungen vornimmt, hat er bereits im ersten Teil des „Match Days Klimaphysik“ vorgestellt. Das Format, das die Initiative NAT vor einem Jahr pandemiegerecht ins Leben gerufen hat, vernetzt wissenschaftliche Expertise mit dem MINT-interessierten Nachwuchs in einer Streaming-Konferenz. Vernetzt werden damit aber auch aktuelle Wissensvermittlung und Studienorientierung.

Hochburg der Meteorologie

Der fünfte Match-Day 2021 fängt mit Schülerfragen an den Nobelpreisträger Klaus Hasselmann hochkarätig an – und endet mit einem roten Teppich für den Nachwuchs. „Das Wichtigste, was hängen bleiben sollte, Sie sind bei uns ganz herzlich willkommen“, betont Felix Ament und zeigt das Foto von rund hundert winkenden jungen Menschen: So viele studieren Meteorologie in ganz Deutschland pro Jahr oder genauer gesagt, so wenige. „Studieren, was nur wenige können, was aber für alle wichtig ist“, hat der Professor seinen Kurzvortrag überschrieben. Dieser macht deutlich, dass Meteorologen nicht nur für die Online-Vorhersage der Wetter-App benötigt werden, sondern auch für die Atmosphärenerforschung auf dem Jupiter beispielsweise und vor allem für die Umsetzung der Energiewende, weil nur Fachleute sagen können, wo sich das Windrad lohnt oder wie morgen die Strombörse tickt.

Das Beste am Norden ist die Physik

Ament wäre aber nicht Beauftragter für Studium und Lehre am Fachbereich Erdsystemwissenschaften der Universität Hamburg, hätte er nur die Meteorologie im Blick. Die Begeisterung für Natur und Umwelt, Physik als gemeinsame Sprache und der Rechner als wichtigstes Werkzeug, das macht alle drei Fachrichtungen aus. Ebenso wie Individualität, Internationalität, Exzellenz. „Wenn ich meinen Bachelor in Hamburg mache, stehen mir Tür und Tor offen“, so Geophysiker Hort. Schließlich genießt der  Standort weltweit einen guten Ruf: „Wir haben einen sehr ausgeprägten Schwerpunkt im Bereich der Klimaforschung und einen sehr erfolgreichen Exzellenzcluster“, so Vizepräsidentin Susanne Rupp in ihrer Begrüßung. Dafür hat Klaus Hasselmann den Grundstein gelegt und NAT-Geschäftsführerin Sabine Fernau eine Formel geprägt: „Das Beste am Norden ist die Physik.“ Schöner hätte es Goethe auch nicht ausdrücken können.

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