Intensiv und datenreich
02.10.2026

Intensiv und datenreichDer kk26 verbindet Clouds & Computing

Verpixelte nachtblaue Punkte in honiggelber Masse – was könnte das sein? 400 Jugendliche stecken im großen Informatikhörsaal die Köpfe zusammen und tauschen lautstark Ideen aus. Sie sind mit ihrem Oberstufenprofil zum Klimakongress kk26 an die Uni Hamburg gekommen, und dass er mit einem Rätsel startet, ist mehr als ein Eisbrecher. Vielmehr verbindet das Wimmelbild das Kongressmotto Clouds & Computing gleich zum Auftakt mit zwei Botschaften: Gute Daten sind für die Klimaforschung unverzichtbar. Und wer sie auswertet, muss genau hinsehen, auch wenn KI dabei hilft. Denn selbst für sie können Chihuahuas und Muffins auf Bildern zum Verwechseln ähnlich aussehen. Ein entscheidender Hinweis fehlt auf dem Standbild: „Dass sich Hunde bewegen, Muffins aber nicht, ist ein einfaches Merkmal, das man der KI beibringen muss“, sagt Johanna Baehr. Die Leiterin Klimamodellierung eröffnet den hochschulübergreifenden Kongress am Campus Bundesstraße.

Realitätscheck auf hoher See

MIN-Forum, Haus der Erde, Haus der Informatik – der neue Campus ist gerade erst ein Semester alt und schon bereit für eine externe Großveranstaltung, die mit Physik-, Geo- und Informatikprofilen so breit aufgestellt ist wie der Campus selbst: „Wir betreiben hier Klimaforschung aus unterschiedlichen Perspektiven“, betont Professorin Baehr. Sie ist über die physikalische Ozeanografie auf das Thema gestoßen. „Der Ozean nimmt mehr als 90 Prozent der zusätzlichen Wärmeenergie auf, die sich durch die menschengemachte Erwärmung im Klimasystem ansammelt. Er ist ein Puffer.“ Mit welchen Folgen untersuchen die Forschenden anhand von Modellen, die den Ozean in Gitterzellen aufteilen, gespickt mit Gleichungen zu Kräften, Dichteunterschieden, Erdrotation. Parallel dazu messen sie auf Forschungsschiffen vor Ort. „Das ist ein Realitätscheck für unsere Klimamodelle: Sind wir in der Lage, Hunde von Muffins zu unterscheiden“, so die Ozeanografin.

Über den Wolken, in der Cloud

Von Hamburg raus in die Welt, zum Realitätscheck in die Antarktis oder hoch hinaus auf Gipfel: Elke Ludewig hat an der Uni Hamburg Meteorologie studiert und ist inzwischen eine der bekanntesten Klimaforscherinnen Österreichs. An den Ort ihrer Promotion ist sie zwölf Jahre später zurückgekehrt, weil sie das Motto des kk26 überzeugt hat: „Daten und Klimaforschung – das passt wie die Faust aufs Auge“, sagt die Direktorin für Meteorologie beim nationalen Wetterdienst GeoSphere Austria und nimmt die Jugendlichen in ihrer Keynote mit auf einen rasanten Ritt durch alle Aufgabenbereiche der Klimaforschung, die ohne umfassende Erfassung, Analyse und Simulation nicht funktioniere. „Daten sind wichtig: Wir messen standardisiert, das ist auf der ganzen Welt vergleichbar – und unglaublich spannend“, betont sie.

Mit dem Wetterballon zum Wolkenwissen

Elke Ludewig zeigt ein kurzes Video, wie sie in der Antarktis einen mit Helium gefüllten Wetterballon startet und dabei fast vom Sturm mitgerissen wird. Dann spricht sie über ihre Arbeit am „Ursprung der modernen Meteorologie“, dem Sonnblick Observatorium auf 3.106 Meter Höhe, wo seit 140 Jahren Wetterdaten gesammelt werden. Das beeindruckt. Die Jugendlichen interessieren sich für die Sensorik am Wetterballon und erfahren, wie eine Messsonde Temperatur und Luftdruck aufnimmt und per GPS die Daten an eine Bodenstation funkt: „Das geht mehr oder weniger sofort online und in die ganze Welt.“ Weltweite Zusammenarbeit in Zeiten globaler Erderwärmung, das junge Auditorium applaudiert. Es ist der Auftakt zum achten Klimakongress für Hamburgs NAT-Oberstufenprofile, intensiv und datenreich.

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