Kurzinterview mit Lukas Can Bal
03.01.2023

Kurzinterview mit Lukas Can Bal

„Wenn ich im Labor bin, vergesse ich die Zeit, das ist dann kein Job mehr, das ist mein Hobby.“ Eine Begeisterung, die Lukas Can Bal gern weitertragen möchte und mit der er das Programm für den Match Day Medizinische Forschung 2021 konzipiert hat. Als Moderator führte er durch den Tag und da noch einige Fragen zur Studienorientierung offen geblieben sind, beantwortet Lukas diese hier.

NAT: Lieber Lukas, stell dich doch noch einmal kurz vor und erzähl uns, was du genau studierst.

Lukas: Hallo, ich bin Lukas Can Bal, 25 Jahre alt und geboren und aufgewachsen in Kiel. Mein Vater stammt aus der Türkei und meine Mutter ist, genau wie ich, in Deutschland groß geworden. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport und spiele seit meinem 8. Lebensjahr Kanupolo – eine Mischung aus Basketball, Handball und Kajak fahren. Im Jahr 2015 bin ich für ein Medizinstudium nach Hamburg gezogen. Ich habe zwischendurch ein Jahr pausiert, um an meiner Doktorarbeit zu forschen. In der Zeit war ich in einem Labor tätig, welches sich mit der Entstehung von Multiple Sklerose beschäftig. Das hat meine Leidenschaft für die medizinische Forschung nachhaltig geweckt, weshalb ich im Anschluss noch für ein Semester in den USA ging und dort zur Alzheimer Erkrankung forschte.  

NAT: Warum hast du dich für ein Medizinstudium entschieden?

Lukas: Aufgrund meines großen Interesses für Sport in der Jugendzeit entstand eine Faszination für den menschlichen Körper - vor allem für den Bewegungsapparat und die Sportmedizin. Als ich begann zu studieren, wollte ich gerne Sportarzt im Profibereich werden. Im Laufe des Studiums wandelte sich bei mir dann der Fokus. Inzwischen begeisterten mich vordergründig die Neurowissenschaften und die Neurologie als medizinischer TNATeilbereich.  

NAT: Wie läuft der Bewerbungsprozess ab?

Lukas: Die Vergabe der Studienplätze für das Medizinstudium verlaufen über ein zentrales Vergabeverfahren. Über die Serviceplattform Hochschulstart kann man sich registrieren und dann im Anschluss auf einen Studienplatz bewerben. Wichtig ist es, sich im vornherein über die Zulassungskriterien der unterschiedlichen Universitäten zu informieren, da die Gewichtung der unterschiedlichen Qualifikationen nicht überall gleich ist. Beispielsweise werden an manchen Universitäten die Plätze stärker anhand der Abiturnote vergeben, während an anderen Hochschulen andere Faktoren wie eine abgeschlossene Ausbildung im Medizinsektor oder ein gutes Abschneiden im „Medizinertest“ entscheidenden Einfluss auf die Vergabe haben. Da man bei Hochschulstart Präferenzen angeben muss, lohnt sich im vornherein zu überlegen, an welcher Universität man die besten Chancen hat. In Hamburg gibt es außerdem noch den HAM-Nat, bei dem die naturwissenschaftlichen Kenntnisse der Bewerber:innen geprüft werden. Ein gutes Abschneiden erhöht die Wahrscheinlichkeit einen Platz fürs Medizinstudium in Hamburg zu erhalten. Weiterführender Link

NAT: Kannst du noch ein bisschen mehr zu den beiden Tests erzählen?

Lukas: Der „Medizinertest“, eigentlich „Test für medizinische Studiengänge“ (TMS), ist ein Studieneignungstest. Diese Studieneignungstests für das Medizinstudium sind freiwillig, ein gutes oder sehr gutes Ergebnis wird jedoch von den meisten deutschen Universitäten für die Vergabe der Medizinstudienplätze über die hochschuleigene Quote positiv berücksichtigt. Auf die Listung innerhalb der Abiturbestenquote (30%) und der Wartezeitquote (10%) hat der Test allerdings keinen Einfluss. Der TMS ist zwar der bekannteste, jedoch nicht der einzige angebotene Studieneignungstest: In Hamburg, Magdeburg und Greifswald kommt der HAM-Nat zum Einsatz - hier wird der TMS nicht anerkannt. Informationen zu den beiden Test und die Anmeldemöglichkeit finden sich auf den jeweiligen Websites: www.tms-info.org/ (TMS) und www.auswahltestzentrale.de (HAM-Nat). Beide Tests werden nur zweimal im Jahr angeboten, daher sollte man sich frühzeitig über die Termine informieren.

Eine gezielte Vorbereitung ist auf jeden Fall zu empfehlen. Es gibt beispielsweise auf die jeweiligen Tests zugeschnittene Lehrbücher und Online-Trainingsprogramme, die den Stoffumfang abdecken. Außerdem werden kommerzielle Vorbereitungskurse angeboten, die jedoch nach unserer und nach Meinung der Prüfungsanbieter keinen nennenswerten Vorteil gegenüber der eigenständigen Vorbereitung bringen. Essentiell ist es, sich auf die Art und den Umfang der Prüfungsfragen vorzubereiten, zum Beispiel in dem man die Original-Prüfungsfragen der letzten Jahre trainiert. Als Orientierung wird häufig eine Gesamtvorbereitungszeit von ca. 40-50 Stunden empfohlen. Die Tests fragen kein reines Faktenwissen ab, sondern es werden logische und mathematische Fähigkeiten, Textverständnis, Konzentration und Aufmerksamkeit sowie medizinisch-naturwissenschaftliches Grundverständnis geprüft.

NAT: Wenn man dann einen der begehrten Studienplätze ergattert hat, was erwartet einen dann im Medizinstudium?

Lukas: Das Medizinstudium lässt sich generell in drei Abschnitte teilen. Das Studium beginnt mit dem vorklinischen Abschnitt. Hier werden vor allem theoretische Inhalte wie Anatomie, Biochemie und Physiologie gelehrt. Dieser Abschnitt endet mit dem 1. Staatsexamen, auch Physikum genannt. Danach geht es weiter mit dem klinischen Teil des Studiums, welches sich mit den unterschiedlichen medizinischen Fachrichtungen wie Chirurgie, Kardiologie oder Neurologie beschäftigt. Anschließend folgt das 2. Staatsexamen, hier werden alle Inhalte des klinischen Teils des Studiums in einer großen Prüfung abgefragt. Danach folgt das praktische Jahr (umgangssprachlich „PJ“). Im PJ durchläuft man ein letztes Mal verschiedene Fachrichtung und arbeitet schon in der Klinik mit, wodurch man praktischen Fertigkeiten unter Aufsicht erlernen kann. Das Studium endet dann mit einer letzten Prüfung, dem dritten Staatsexamen. Danach beginnt man in der Regel in einem Krankenhaus mit einer Assistenzstelle und spezialisiert sich auf eine Fachrichtung. Wenn man gewisse Stationen im Klinikum absolviert hat, kann man abhängig von der Fachrichtung seine Facharztprüfung nach 4 bis 6 Jahren ablegen, womit die Spezialisierung abgeschlossen ist. 

NAT: Und wenn man nebenbei noch Forschung betreiben möchte, wie ist der Einstieg von Ärzten und Ärztinnen?

Lukas: Neben der rein ärztlichen Tätigkeit gibt es ein zunehmendes Interesse an Mediziner:innen, die zusätzlich noch experimentelle oder klinische Forschung betreiben. Da Ärzt:innen einerseits im Kontakt mit Patient:innen stehen und außerdem die zugrunde liegenden Mechanismen der Erkrankungen kennen, können sie als Bindeglied zwischen Grundlagenforschung und Patientenversorgung fungieren. Als Einstieg zur Forschung bietet sich eine medizinische Doktorarbeit an. Meist bieten die Universitätskliniken einen gute Perspektive für Mediziner:innen, die auch forschen wollen, denn dort findet der Hauptanteil medizinischer Forschung statt und es gibt spezielle Förderprogramme für clinical scientist. Das Schöne am Job des clinical scientist ist die spannende Abwechslung aus direkter medizinischer Betreuung, die Forschung von Erkrankungen und Entwicklung von Behandlungsmethoden.

Eine weitere Möglichkeit ist eine PostDoc-Stelle im In- oder Ausland, die einem die Chance gibt für mehrere Jahre an wissenschaftlichen Themen zu arbeiten ohne die Doppelbelastung der praktizierenden Tätigkeit als Ärzt:in.

NAT: Und wenn ich nicht Medizin studieren, aber dennoch in der medizinischen Forschung arbeiten möchte, welche Wege gibt es?

Lukas: Bei der medizinischen Forschung treffen viele unterschiedliche Fachrichtung zusammen mit dem Ziel, Erkrankungen besser zu verstehen, sie schnell und sicher zu erkennen und sich nachhaltig zu behandeln. In der Erforschung des menschlichen Körpers sowie dessen vielfältigen Erkrankungen ist häufig Wissen erforderlich, das Mediziner:innen nicht haben. Daher setzen sich die meisten Teams der Labore aus Wissenschaftler:innen mit verschiedenen Hintergründen zusammen. Daher können auch beispielsweise Pharmazie, Chemie, Biologie, Physik oder IT-Wissenschaften einen Einstieg in die medizinische Forschung ermöglichen. Solch ein Schwerpunkt kann etwa über die Themenwahl und Betreuungsortes von Abschlussarbeiten im medizinischen Bereich passieren. Auch promovieren einige Studierende aus den naturwissenschaftlichen Fächern nach Absolvieren des Masterstudiums in einem Institut, welches sich im weitesten Sinne zu der medizinischen Forschung zählen lässt. 

Erstmals veröffentlicht wurde das Interview mit Lukas am 29.11.2021. Im Rahmen der Match Days 2022 wurde es überarbeitet und ergänzt. 
Ein Auszug aus dem Gespräch zwischen Lukas und Meike während der Match Days 2022 über ihren persönlichen Weg in die medizinische Forschung gibt es zum nachschauen hier (Klick auf das Bild):

Match Day medizinische Forschung Interview

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