Ein Nobelpreisträger ist ein gefragter Mann: Interviews, öffentliche Auftritte, Fototermine. Deshalb ist es schon mehr als nobel, dass sich Klaus Hasselmann Zeit für den fünften Hamburger Match Day und damit für den MINT-interessierten Nachwuchs sowie das Thema Klimaphysik nimmt. 430 Jugendliche aus 22 Profilen sind zugeschaltet, als Susanne Rupp, Vizepräsidentin der Uni Hamburg den Klimaphysiker vorstellt. In Hamburg hat er nicht nur Physik studiert und unterrichtet, sondern den Grundstein für den erfolgreichen Schwerpunkt Klimaforschung an der Universität gelegt. Inzwischen ist sein wissenschaftlicher Befund zum Maßstab politischer Entscheidungen weltweit und die Jugend zu Hasselmanns Hoffnungsträger geworden. „Vielen Dank, Herr Hasselmann, für Ihren Glauben an die jungen Menschen und Ihre Bereitschaft, für die Fragen der jungen Generation offen zu sein“, so Professorin Rupp, die damit an die beteiligten Schulen übergibt. Anbei eine kleine Auswahl der Schülerfragen und Physikerantworten.

Wie weit sind wir von einem unumkehrbaren Klimawandel entfernt?

Hasselmann: Das müssen Sie meine Frau fragen. Sie denkt, wir stünden kurz davor. Ich bin etwas optimistischer, ich meine, dass wir die technischen Möglichkeiten haben, den Klimawandel abzuwandeln. Wir können das aber nur in den Griff bekommen, wenn die Politik schnell reagiert und auf die Jugend hört – und etwas tut. Dafür haben wir ja Wind, Sonne und Wasser und wenn man diese Möglichkeiten voll ausschöpft, kann man den fossilen Industriebereich zurückdrängen und auf alternative Energien umsteigen, ohne dass die Lebenskosten steigen müssen.

Wie sind Sie zur Klimaphysik gekommen?

Hasselmann: Mich hat aus irgendwelchen Gründen der Seegang interessiert, seine Entstehung durch den Wind, wie er aus der Ferne kommt und wie sich kurze und lange Wellen auseinander nivellieren – also die Energiebilanz des Seegangs. Warum weiß ich gar nicht genau, vermutlich weil ich gerne schwimme, wenigstens war das mein Hobby und daraus ist dann später auch die Klimafrage entwachsen. Die ganze Physik ist aber interessant und die Sozialwissenschaften sind es auch – die Wechselwirkung zwischen Gesellschaft und Klima ist mein Thema.

Wie unterscheidet man zwischen natürlichen und menschlichen Veränderungen?

Hasselmann: Das ist eine schwierige Frage, mit der ich mich damals auch beschäftigt hatte. Eine wichtige Möglichkeit der Trennung bot die vertikale Verteilung der Temperatur: Ich konnte damals nachweisen, dass die Temperatur am Boden, in ein, zwei oder zehn Kilometer Höhe sich anders verhält, wenn der Mensch eingreift, als wenn diese vertikale Verteilung nur natürlichen Schwankungen unterliegt. Das waren meine Beiträge, aber die Frage des Nachweises der Klimaänderungen haben damals viele beschäftigt.

Matthias-Claudius-Gymnasium: Wie genau können die Folgen einer Klimakatastrophe modelliert werden?

Hasselmann: Man kann natürliche Schwankungen und die Auswirkung menschlicher Aktivitäten modellieren, das ist kein Problem. Wir können das sogar immer besser rechnen. Ich habe mir das in unserem Institut angesehen, das ist schon ganz eindrucksvoll, mit welchen Details man die globale Wetterentwicklung simulieren kann. Damals musste man noch viele Anträge stellen, viel reden und Leute überzeugen, dass man viel Geld braucht. Und dann bekam man einen großen Rechner für große Rechnungen: Klimaänderungen, Schwankungen und menschliche Einflüsse dabei, das kann man alles simulieren und das haben wir als Max-Planck-Institut auch gemacht.

Was möchten Sie den jungen Leuten auf ihren Karriereweg mitgeben?

Hasselmann: Machen Sie weiter! Sehen Sie zu, dass Sie durch Öffentlichkeit etwas für die Gesellschaft erreichen, aber machen Sie auch Ihre Wissenschaft. Das ist wichtig, denn wenn Sie ein guter Wissenschaftler sind, können Sie nachher auch die Öffentlichkeit überzeugen. Insofern freue ich mich, dass Sie so etwas (ein MINT-Profil, Anm. NAT) machen und wünsche Ihnen viel Mut und viel Kraft, dass Sie das alles schaffen.

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