Vom kurzen Speed-Dating mit Role Models zur langen Datenbank
08.01.2018

Vom kurzen Speed-Dating mit Role Models zur langen Datenbank

Online-Neigungstest, Hochschul-Navigatoren, Studis online & Co.: Das Web ist weit und wer sich allein darauf verlässt, fühlt sich bisweilen verloren. Daher geht nichts über Informationen aus erster Hand und ein persönliches Gespräch mit der Fachschaft oder Berufseinsteigern. Doktoranden wie Mareike Wendebourg wissen beispielsweise, dass virtuelle Angaben über die Studiendauer sich oft nicht mit der Realität decken: Ihr internationaler dreijähriger Studiengang „General Engineering Science“ hat eine Regelstudienzeit von viereinhalb Jahren. Carina Wiens empfiehlt den Blick in den Modulplan und Chemikerin Ute Ellringmann den Austausch mit analogen Vorbildern. Was die drei Frauen eint: Sie sind von der Bedeutung der persönlichen Ermutigung überzeugt und haben sich bei mint:pink als Role Models engagiert. NAT stellt die drei Impulsgeberinnen an drei unterschiedlichen Weichenstellungen ihres Lebens vor.  

Abi – und dann?

Welches ist das richtige Studium, wenn man gleichermaßen Spaß an Mathe, Physik und Chemie hat? Carina Wiens hat sich die Antwort auf diese Frage nicht leichtgemacht und sich ein 600 Seiten starkes Handbuch zur Studien- und Berufswahl vorgenommen: „Ich habe das eiskalt durchgeblättert“. Schließlich wusste schon die Abiturientin: „Bei einem Neigungstest kommt immer etwas Allgemeines heraus.“ Viele kleine, unbekanntere Studiengänge kämen dabei nicht vor, „Materialwissenschaft und Werkstofftechnik“ etwa, ein „super Mix aus allen Fächern“, wie Wiens im Modulplan nachgelesen hat, bevor sie genau diese Studienrichtung mit dem Schwerpunkt Metalle an der Technischen Universität Clausthal eingeschlagen hat. Inzwischen ist die 26-Jährige technische Kundenbetreuerin bei Hydro Aluminium Rolled Products, bringt täglich neue Anforderungen und passende Werkstoffe zusammen und ist auch bei der Entwicklung von Wärmetauschern dabei.

Wie wird aus dem Studium ein Berufsziel?

In Schulzeiten war Mareike Wendebourg noch überzeugt: „Ich kann alles werden, nur nicht Ingenieurin.“ Geworden ist sie Mechatronik-Ingenieurin, eine Verbindung aus Maschinenbau und Elektrotechnik, Informatik und Regelungstechnik. Geholfen die alten Vorurteile loszuwerden, hat zum einen der Besuch der Tontechnik-AG ihrer Schule: „Ich habe schnell verstanden, wie man die Kabel stecken muss.“ Zum anderen an der Uni die Erkenntnis, dass alles machbar ist, wenn man nur das Interesse mitbringt – selbst noch so vermeintlich schwierige Bereiche wie Signalverarbeitung oder Regelungstechnik. Die benötigt die Wissenschaftlerin am Institut für Medizintechnische Systeme (TUHH), wenn sie Tiefenbilder von Bewegungen analysiert, etwa um zu klären, ob diese einen epileptischen Anfall automatisch anzeigen können. „Meine Arbeit soll einen Sinn haben, ich möchte die Lebensqualität kranker Menschen verbessern.“

Wie verbindet man Karriere und Familienleben?

Dass sie einmal als internationale Produktmanagerin im Marketing von tesa tätig sein würde, hätte sich Ute Ellringmann als Schülerin auch nicht vorstellen können. Aber sie wollte auf jeden Fall Praxis und Theorie verbinden und wählte, inspiriert durch ihren Vater, einen Chemielehrer, das Studium der Chemie. „Man überprüft die Theorie der Vorlesung im Labor und kocht dabei nicht alleine vor sich hin, sondern arbeitet im Team.“ Eine gute Vorbereitung auf die Praxis sei das gewesen, die für promovierte Polymerchemiker von der Kosmetik über Windeln bis in die Großindustrie reichen kann. Aber Ellringmann entschied sich für tesa: „Klebebänder kann man nie genug haben, da fangen meine Kinder schon mit an.“ Den Kindern (7 und 8 Jahre alt) zuliebe, arbeitet die 41-Jährige auf einer 80 Prozent-Stelle, viel weniger geht nicht: „Mit halber Kraft könnte man die Stelle nicht ausfüllen.“ Ein starkes Netzwerk aus Freunden, Familie und Kollegen hilft ihr dabei. „Man braucht viele Optionen.“  

Wie es mit den Role Models weitergeht?

Drei kurze Eindrücke von insgesamt 22 Vorbildern, die dem mint:pink Speed-Dating zur Verfügung standen. Viele der Frauen wollen den Austausch fortsetzen und stehen der Initiative NAT auch für den Aufbau einer „Role Models Datenbank“ zur Verfügung. Und noch mehr Mädchen haben sich von ihnen inspirieren lassen: Zumindest können sich 45 Prozent der mint:pink Teilnehmerinnen aus 2017 eine Zukunft im MINT-Bereich vorstellen, so das Ergebnis einer NAT-Umfrage. „Das ist ein großer Erfolg, den wir auch auf das Speed-Dating zurückführen“, sagt NAT-Geschäftsführerin Sabine Fernau. „Die Frauen haben die Mädchen begeistert, ihnen den Rücken gestärkt und insbesondere die Angst vor den MINT-Fächern genommen.“ Aber auch Jungen brauchen starke Vorbilder für wichtige Weichenstellungen ihres Lebens, daher will NAT das Format zukünftig ausweiten. Jungs und Mädchen dürfen gespannt sein!

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