Die tote Katze richten! mint:pink macht was mit Medien – nämlich Technik an der HAW
27.05.2019

Die tote Katze richten! mint:pink macht was mit Medien – nämlich Technik an der HAW

Die Rollen sind schnell verteilt: Aileen regelt den Mehrspurrekorder, Eva und Celina kontrollieren die Aufnahmequalität, Amy und Megan halten abwechselnd die lange „Angel“ mit Richtmikrofon und flauschigem Windschutz. „In Fachkreisen Deadcat genannt“, erklärt Marcella. Aileen gibt sich damit nicht zufrieden. „Das sieht aus wie ein Wischmopp, aber nicht wie eine tote Katze“, findet die Neuntklässlerin vom Lise-Meitner-Gymnasium. Es ist ihr dritter mint:pink Programmtag und der führt ganz praktisch in das Department Medientechnik der HAW Hamburg: Die Mädchen haben sich in Ton-, Kamera- oder Redaktionsteam aufgeteilt und werden dabei von Medientechnikerinnen wie Marcella unterstützt: „Wichtig ist die praktische Erfahrung. Man muss die Angst vor der Technik verlieren“, sagt die Bachelorstudentin im dritten Semester.

Steffi verzweifelt gesucht!

Ängstlich wirken die Mädchen am Set nun nicht gerade. Sie lachen und sind gespannt auf ihr erstes Video, das nicht mit dem Smartphone, sondern professioneller Technik aufgenommen wurde. Dabei ist das Drehbuch schnell erzählt: Drei Interessentinnen kommen an die HAW, suchen eine wissenschaftliche Mitarbeiterin namens Steffi und interviewen diese zu ihrem Arbeitsalltag. Steffi heißt im richtigen Leben Stefanie Böhning, hat technische Informatik studiert und ist jetzt mit Leib und Seele wissenschaftliche Mitarbeiterin der HAW Medientechnik. An ihrem Job schätzt sie vor allem die Vielseitigkeit, die kleinen, unterschiedlichen Labore und das Miteinander: „Man bringt den Studis ganz viel bei – und kriegt so viel zurück“, sagt Steffi im Interview – und das ist kein auswendig gelernter Text, das kommt ganz authentisch rüber.

Kein Platz für Diven

Dass die Redaktion zwar den Ton angibt, aber nur Teamgeist und funktionierende Technik zu einem guten Ergebnis führen, erfahren die Mädchen selbst: Als einmal das Tonkabel nicht richtig mit der Kamera verbunden ist, muss die Aufnahme wiederholt werden. Die Arbeit hinter Kamera und Mikro ist mindestens so spannend wie die davor, findet Aileen. Und zudem anspruchsvoll: „Das ist viel mehr Aufwand, als man denkt, man muss alles aufbauen und die Qualität immerzu kontrollieren.“ Eindruck hat auf die 15-Jährige beim Rundgang durch die HAW besonders der Bereich virtuelle Akustik gemacht: „Wir waren zwar im Tonstudio, aber wir hatten das Gefühl, wir sind im Michel, einfach weil 34 Lautsprecher kuppelförmig aufgebaut waren und einen Widerhall erzeugt haben.“

Full-Sound im Audio-Dom

Audio-Dom nennt sich die Anlage, die Raumakustik ohne Störgeräusche etwa für Virtual Reality Anwendungen erzeugen kann: „Man misst die Raumakustik im Michel und legt das mit dem Mikrofonsignal übereinander“, erklärt Anna Wolf. Die Ingenieurin für Medientechnik hat 2010 die HAW nach ihrem Diplom verlassen und unter anderem für die Elbphilharmonie gearbeitet. Als sie im letzten Jahr als wissenschaftliche Mitarbeiterin zurückkehrte, traute sie ihren Augen nicht, etwa im Lichtlabor: „Es ist unglaublich, wie gut die Ausstattung mittlerweile ist.“ Mit der Technik von heute für die Medienwelt von morgen studieren, das finden auch viele mint:pink Mädchen spannend. Für Marly, die im Produktionsteam mitgewirkt hat, ist eine ganz neue Berufsoption entstanden: „Ich hatte keine Idee, was alles dazugehört, das ist ja auch kein Schulfach“, sagt sie und es klingt ein wenig bedauernd. Schließlich macht es am meisten Spaß, eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen: „Wie konnten richtig mitmachen, das fand ich gut!“

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